Torres del Paine
Am Morgen holen wir erstmal unseren Mietwagen ab, den wir für die nächsten 6 Tage gebucht haben. Von Sebastian, der neben der Hospedaje auch noch ein kleines Reisebüro betreibt, werden wir noch mit jeder Menge Tipps für den Torres del Paine Nationalpark versorgt. Wir wollten eigentlich einen oder anderthalb Tage im Park bleiben. Da das Wetter aber doch ganz gut mitspielt und sogar noch einige der Wanderunterkünfte offen haben, planen wir um. Wir entscheiden uns doch den größten Teil des „W” zu laufen. Das ist ein recht berühmter Wanderweg, der an den Torres entlangführt.
Irgendwie kommen wir aus Punta Arenas nicht los. Die Versicherungspapiere für unseren geplanten Grenzübertritt nach Argentinien sind erst am Mittag fertig und wir verpassen, die Siesta einzurechnen. Das Büro macht erst um drei wieder auf. Dann fahren wir endlich los. Wir schauen einfach, wie weit wir kommen. Unterwegs gibt es noch den ein oder anderen Fotostopp, denn die Landschaft und die Wolken sind echt beeindruckend. Bis zu den Torres schaffen wir es aber wohl nicht mehr. Wir beschließen eine Nacht in Puerto Natales zu bleiben. Wir landen im Erratic Rock Hostel. Das wurde uns von Sebastian empfohlen, stand aber sowieso schon auf unserer Liste. Das Hostel ist ziemlich urig und der Ami, der es mit ein paar Chilenen betreibt, echt gut drauf. Wir bekommen nur noch ein winziges Einzelzimmer, aber wenigstens ist das Bett fast so groß, wie das ganz Zimmer. Beim Abendessen merken wir die Nebensaison. Viele Restaurants haben schon geschlossen. Wir finden aber trotzdem noch was und landen in einem kleinen Restaurant mit sehr freundlicher Bedienung.
Die Nacht ist sehr unruhig. Draußen rüttelt ein heftiger Wind an den Fensterläden. Wir stehen zeitig auf und packen unseren Kram. Nach einem Frühstück mit hosteleigenem Brot geht es kurz nach sechs die 2½ Stunden Richtung Torres. Wir erleben einen schönen Sonnenaufgang. Unterwegs sehen wir die ersten Guanacos. Kurz nach acht passieren wir den Eingang zum Nationalpark. Wir fahren eine schmale Brücke, die kaum breiter ist als unser Toyota Yaris zur Hosteria Las Torres. Dort reservieren wir ein Backpacker-Zimmer. Das Refugio hat schon Winterpause und so werden einige 3-Bettzimmer für Refugio-Preise im sonst 200USD+ Hotel vermietet.
Dann brechen wir auf unsere geplante Tagestour auf. Wir wollen zum Mirador del Torres im rechten Tal des „W”. Der Weg geht ca. neun Kilometer in das Tal hinein und ist mit hin und zurück mit ca. acht Stunden angegeben. Unten ist es nur windig und etwas regnerisch. Wir kommen aber bald zur Schneegrenze. Je höher wir kommen, desto mehr Schnee haben wir unter uns. Die Wolken lassen immer mal wieder ein Stück blauen Himmel durch. Vorn im Haupttal ist schönes Wetter, hier wird es immer düsterer. Der Aufstieg vom Camp am Ende des Tals zum Mirador macht dann keinen Spaß mehr, denn mittlerweile ist es ein Schneetreiben von schräg unten. Der Weg ist nicht mehr zu sehen und wir brechen ab. Die drei Torres-Spitzen sieht man in dem Wetter eh nicht. Auf dem Rückweg erhaschen wir aber doch noch einen kurzen Blick auf die drei Steinsäulen.
Auf dem Rückweg wird das Wetter bald wieder besser, als ob nichts war. Zurück in der Hosteria lassen wir uns das Backpacker-3-Gänge-Menü schmecken und leisten uns ein recht teures Bier.
Wir stehen so zeitig wie möglich auf. Das heißt, nach Sonnenaufgang, denn vorher ist es auch im Hotel dunkel. Wir frühstücken und machen uns um neun auf den Weg zum Refugio Paine Grande am Lago Pehoe, etwa 25km mit 9 Stunden Gehzeit. Am Anfang spielt das Wetter nicht mit, es regnet. Nach ein paar Kilometern wird es dann aber besser. Es hängen immer noch dicke graue Wolken am Himmel aber es ist trocken. Nach 4½ Stunden erreichen wir das geschlossene Refugio Los Cuernos, wo wir kurz Pause machen. Dann geht es am See Nordenskjöld entlang und dann einen steilen Berg hinauf. Wir erreichen nach zwei weiteren Stunden das Campamento Italiano am Beginn des mittleren Tals des W, des Valle del Francés. Nach einer weiteren kurzen Pause geht es weiter, denn in zwei Stunden wird es finster. Jetzt ist der Himmel fast wolkenlos und wir drehen uns immer wieder um und bestaunen das Farbenspiel der untergehenden Sonne am Cuernos-Massiv. Wir müssen uns jetzt sputen, um nicht völlig im Dunkeln anzukommen. Zum Glück ist der Weg recht einfach zu laufen. In der letzten Dämmerung sehen wir den Lago Pehoe. Die letzten Meter zum Refugio erahnen wir nur noch. Es ist schnell stockdunkel. In der Herberge gelandet, beziehen wir ein Zimmer zusammen mit einem französischem Pärchen, Delphine & Francis. Nach dem Abendessen quatschen wir noch bißl und verschwinden dann aber schnell im Schlafsack.
Wir wachen auf, als es gerade hell wird. Aus dem Fenster haben wir einen super Blick auf einen wunderschönen Sonnenaufgang. Das Wetter sieht heute richtig gut aus. Nach dem Frühstück geht es auch gleich los zu einer kleinen Tageswanderung. Es ist kalt, um die null Grad, aber mittlerweile komplett wolkenlos und windstill. Wir laufen den linken Schenkel des W hinauf zum Lago Grey mit dem riesigen Grey-Gletscher. Die Aussicht zuerst auch den Lago Pehoe und später auf den Lago Grey sind genial. Selbst an den in der Karte als zugig markierten Ecken ist es völlig windstill. Die Landschaft ist einmalig! Im Hintergrund die riesigen, schneebedeckten Andenmassive, dann der leuchtend blaue See mit kleinen Eisbergen und im Vordergrund der niedrige, spätherbstliche Wald und das bei dem Wetter. Am Aussichtspunkt auf den Gletscher beschließen wir bei unserer Brotzeit, nicht hoch bis zum Refugio Grey zu laufen, sondern einfach hier noch etwas zu sitzen. Außerdem stecken uns die 25km mit dem Gepäck noch in den Knochen und wir wollen die Tour morgen auch wieder zurück. So laufen wir dann langsam wieder in Richtung Pehoe und genießen die Welt. Am See angekommen müssen wir unbedingt die Füße in das eiskalte Wasser halten. :-)
Den restlichen Nachmittag verbringen wir faul am Kamin, allerdings gleich neben einem großen Fenster mit herrlichem Ausblick.
Am Morgen schleichen wir uns aus dem Zimmer um die beiden Franzosen nicht zu wecken. Wir wollen heute noch etwas zeitiger aufbrechen, damit wir vielleicht doch noch im Hellen ankommen. Es sind noch einige Leute früh auf. Die wollen aber alle zur Bushaltestelle an der Parkverwaltung etwas südlich. Das ist zwar nicht weit, aber der Bus fährt kurz nach Mittag. Wir sind die Einzigen, die in Richtung Las Torres aufbrechen und einen langen Weg haben. Als wir loslaufen, sitzt ein riesiger Greifvogel keine zwei Meter entfernt auf der Dachrinne und lässt sich gar nicht stören. Immerhin schaffen wir es, eine knappe halbe Stunde eher unterwegs zu sein als vorgestern. Dafür sind wir aber auf dem ersten Stück viel langsamer. Wir machen wieder kurze Pausen am Campamento Italiano mit Blick auf den riesigen Gletscher „Glaciar Francés” und am Refugio Cuernos. Das Wetter ist zwar trocken, aber der Himmel ist voller dunkelgrauer Wolken.
Die Landschaft entlang am Lago Nordenskjöld ist trotzdem wunderschön. Im Gegensatz zu vorgestern, wo wir unterwegs immerhin 7 Leute getroffen haben, ist heute irgendwie gar niemand unterwegs. Die 25 Kilometer ziehen sich elende. Halb sechs, gerade noch im Hellen, erreichen wir dann die Hosteria Las Torres. Ziemlich K.O., aber zufrieden mit uns und der Welt und voller Eindrücke lassen wir uns das im Übernachtungspreis inbegriffene Abendmenü und ein Bier schmecken. Dann geht es noch fix unter die dringend notwendige Dusche, bevor wir wie tot ins Bett fallen.


