Perito Moreno
Wir wollen heute wieder zeitig los um den Tag gut zu nutzen. Mit unserem Mietauto sind wir schon kurz vor neun wieder auf der Schotterpiste. Weit kommen wir allerdings nicht, denn wir müssen einfach immer wieder anhalten, um die unbeschreibliche Landschaft zu bewundern und Fotos zu schießen. Die Torres sind nun aus ein paar Kilometern Entfernung bei prima Wetter bestens zu sehen. Die gerade aufgegangene Sonne taucht alles in ein leuchtend oranges Licht. Einfach genial. Da so herrliches Wetter ist, entscheiden wir noch etwas in der Gegend zu bleiben und fahren ein paar Kilometer nach Norden zur Laguna Azul. Von hier hat man einen ganz anderen Blickwinkel auf die drei Felsnadeln. Unterwegs sehen wir jede Menge Guanakos und auch Ñandus, südamerikanische Strauße. Den nächsten Stopp gibt es an der Laguna Amarga, einem Salzsee mit Flamingos im Vordergrund und den Torres im Hintergrund.
Dann brechen wir auf in Richtung Grenzübergang bei Cerro Castillo. Die Grenzkontrollen gehen relativ schnell. Es braucht aber doch über eine Stunde, bevor wir die beiden Schlagbäume mit dem 7km breiten Streifen Niemandsland dazwischen hinter uns haben. Wir sind das zweite Auto, welches die Grenze heut passiert und es ist um 12...
Auf argentinischer Seite biegen wir dann bald auf die berühmt-berüchtigte RN40, Ruta Cuarenta. Die Schotterpiste ist nicht die schlimmste, das Auto sieht aber danach aus wie Sau. Alles ist mit dickem, klebrigen Matsch paniert. :-). Nach etwa 80km geht es auf Asphalt weiter Richtung El Calafate. Wir suchen uns ein Hostel und ein Restaurant, wo es ein Asado-Menü gibt - Fleisch satt!
Heute steht der Gletscher Perito Moreno auf dem Plan. Der Gletscher ist 60km lang und ziemlich aktiv, er schiebt sich etwa 1m pro Tag vorwärts. Er mündet in den Lago Argentino. El Calafate liegt zwar auch an diesem See, allerdings über 100km entfernt. Das Wetter zeigt sich heut wieder von seiner besten Seite, blauer Himmel mit ein paar Wolken. Der Weg zum und im Nationalpark zieht sich. Wir kommen kurz nach halb 12 am Gletscher an. Den Ausflugsdampfer auf der Südseite haben wir knapp verpasst. Macht aber nichts, denn mit dem Boot wollen wir gar nicht unbedingt fahren. Wir laufen lieber den Bohlensteg von der Nordseite herein.
Der Gletscher ist gewaltig. Vor uns ist eine drei Kilometer breite und 60m hohe Wand aus Eis. Immer wieder knarzt und kracht es im Eis. Ab und zu löst sich auch ein Brocken an der Kante und stürzt mit Getose ins Wasser. Wir stehen wie gebannt und können uns kaum lösen. So werden aus der geplanten anderthalben Stunde dann vier. Dann wird es aber auch Zeit durchzustarten. Das Auto muss morgen früh um neun zurück in Punta Arenas sein und das ist 570km entfernt. Wir fahren zurück über El Calafate in Richtung Grenzübergang. Das Schotterstück der RN40 tun wir uns und den Reifen lieber nicht nochmal an, zumal der Mietwagen eigentlich nur auf befestigten Straßen unterwegs sein darf. So nehmen wir noch 80km Umweg zusätzlich mit, machen aber wahrscheinlich kaum Zeit schlecht, da wir schneller fahren können. An der Grenze kommt uns die Stunde Zeitverschiebung nach Chile sehr gelegen. Nach der Abfertigung durch den chilenischen Zoll winkt uns der Grenzer nochmal zurück. Er will uns aber nur darauf aufmerksam machen, dass wir hinten links einen Platten haben. Super! Das fehlt grad noch. Zum Glück hatten wir das Ersatzrad kontrolliert und aufgepumpt. Nach einem Formel-1-verdächtigen Reifenwechsel rollen wir nach einer Viertelstunde bereits wieder Richtung Puerto Natales. Es war übrigens nicht die „verbotene” Schotterpiste an der Grenze schuld, sondern ein schnöde Schraube, die wir uns eingefahren haben - Ironie des Schicksals.
Um halb elf abends schlagen wir nach einer endlos langen Fahrt in Punta Arenas. Wir hatten uns bei Sebastian bereits angemeldet und er ist auch gerade noch munter. Was für ein Tag! Obwohl bis jetzt war eigentlich jeder Tag vollgestopft mit Eindrücken und Erlebnissen.


