Santiago de Chile / Valpariso
Auch heute bleibt es spannend. Letzte Woche in Punta Arenas und vorgestern in El Calafate hatten wir versucht im Internet einen Flug nach Santiagio zu buchen. Ohne Erfolg, das Online-Banking klappt mit der nicht-chilenischen Kreditkarte nicht. So laufen wir, nachdem der Mietwagen mit 700km mehr auf der Uhr ohne Probleme abgegeben und die Reifenreparatur bezahlt ist, kurz nach zehn in das Büro von SkyAirlines und buchen für nachmittags um drei den Flieger. Das kann man wirklich mal Last Minute nennen. Die restliche Zeit schlendern wir etwas durch Punta Arenas, runter zur Magellanstraße und einmal hoch zum Aussichtsberg. Gegen eins verabschieden wir uns von Sebastian und fahren mit dem Taxi zum Flughafen.
Der Flug ist prima, und der Service an Bord der Billig-Airline kann sich sehen lassen und auch der Rest macht einen sehr soliden Eindruck. Wir kommen mit einem netten Chilenen ins Gespräch. Er freut sich über unsere Reiseroute und kann uns sogar für Argentinien auch noch ein paar Tipps geben.
Nach einem Zwischenstopp in Puerto Montt landen wir nach vier Stunden in Santiago de Chile. Man merkt, dass Santiago viel nördlicher liegt. Mit unseren ganzen Klamotten kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Mit dem Flughafenbus und der Metro geht es zu unserem Hostel. Das hatten wir heute morgen im Internet noch schnell reserviert. Wir sind die einzigen Gäste im fast schon mondänen, aber wirklich preiswerten Casaltura Hostel. Wir lassen uns paar Tipps geben und stürzen uns ins Nachtleben von Bellavista, dem Studentenviertel.
Am Morgen fahren wir mit der Metro zum Busbahnhof. Von da geht es weiter in das ca. 100km entfernte Valparaíso. Wir wollen aber nicht wegen des Hafens dahin, sondern wegen der historischen Altstadt. Die Stadt mit seinen bunten, blechverkleideten Häusern liegt an ziemlich steilen Hängen. Zwischen den einzelnen Straßen gibt es die „Ascensores”, über 30 Aufzüge und Standseilbahnen, mit denen man für etwas Kleingeld bequem hoch- und runterfahren kann. Auf den zweiten Blick gefällt uns Valparaíso richtig gut und wir laufen kreuz und quer durch die Stadt und essen in einer Markthalle mit vielen kleinen Fischrestaurants. Am Nachmittag fahren wir dann wieder zurück nach Santiago.
Den Sonnenuntergang erwischen hier nicht mehr ganz. Dafür erleben wir auf dem Berg Cerro San Christobal eine schöne Abenddämmerung und blaue Stunde trotz oder gerade wegen des ganzen Smogs. Wir haben einen guten Rundumblick auf die Hauptstadt mit allen ihren Lichtern.
Am Abend schauen wir nochmal in das Viertel um Bellas Artes, auch gleich um die Ecke von unserem Hostel. Wir essen in einem kleinen Restaurant und trinken Pisco Sour.
Den Vormittag wollen wir nutzen für einen Rundgang durch Santiagos Zentrum zu machen. Das Gepäck lassen wir im Hostel und machen uns auf Besichtigungstour. Es geht vom Plaza de Armas zum Parlament und dann in Richtung Cerro Santa Lucía. Das ist ein 69m hoher und ziemlich steiler Berg mitten in der Stadt. Sieht aus, wie hingekippt. Von hier haben wir einen ganz guten Ausblick, auch wenn die Anden am Horizont wegen des Smogs nur zu erahnen sind. Dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Hostel. Mit Gepäck geht es nun zum Flughafen, wo wir am Nachmittag mit einer Zwischenlandung in Antofagasta nach Calama in der Atacamwüste im Norden Chiles fliegen. Bis dahin läuft alles wie geschmiert.
Mittlerweile haben wir mitbekommen, dass morgen in Chile ein Nationalfeiertag ist. Viele Chilenen nutzen das wohl auch für ein langes Wochenende, der Flieger ist rammelvoll. Wir haben in San Pedro, unserem Zielort, noch kein Hostel. Am Flughafen verpassen wir erstmal den Bus nach Calama und nehmen das Taxi. Der Fahrer bietet uns natürlich gleich an uns die 100km nach San Pedro zu fahren. Wir wollen aber lieber den preiswerteren „TurBus” nehmen. Dummerweise kommt der uns gerade entgegen, als wir in Calama ankommen. Wir versuchen es bei den anderen Busgesellschaften. Zum Schluss bekommen wir noch ein Ticket für den allerletzten Bus um halb 10. In der Zwischenzeit versuchen wir herauszufinden, ob in San Pedro überhaupt noch eine Unterkunft zu bekommen ist. In einem Internetcafé erhalten wir auf unsere Anfragen sogar postwendend Antwort. Es gibt was. Super, dann ist ja alles kein Problem.
Wir wollen wieder gehen und stellen fest, dass irgendwas fehlt. Wir haben einen Rucksack weniger! Die Zeit bleibt für ein paar Sekunden stehen. Ok, was war den drin? Die Kamera! Die Digi auch!! Alle Speicherkarten!!! Die Dias!!!! So ein Mist!!!!! Das darf alles nicht wahr sein. Wir stehen da, wie vom Blitz getroffen. Zum Glück haben wir Pässe und Visakarten noch. Wir sind wie vor den Kopf geschlagen. So richtig geradeaus denken klappt gerade nicht, so halten wir erstmal an unserem Plan fest. Wir kaufen noch zwei neue Bustickets nach San Pedro, denn die waren auch im Rucksack.
Der Bus hat zudem noch über eine Stunde Verspätung. So landen wir nachts halb 12 am Arsch der Welt, rundherum hunderte Kilometer nur Wüste, keine einzige Straße nur staubige Lehmpisten im Ort, kein Zimmer, der Rucksack fort und es ist mitten in der Nacht. San Pedro de Atacama. Unsere Stimmung lässt sich mit Worten gar nicht mehr beschreiben. Zum Glück finden wir auf Anhieb ein kleines, nettes Hostel, das auch noch ein Zimmer frei hat. Im Dorf hat noch ein Laden offen und so holen wir uns eine Flasche Rotwein und geben uns noch etwas die Kante. Das muss jetzt einfach sein...


