Tagebuch Argentinien & Chile (Eintrag 6 von 8)

San Pedro de Atacama

Freitag, 21.05.2010

Die Nacht ist mehr als bescheiden und gut schlafen ist was anderes. Jeder Gedanke landet irgendwie immer wieder bei dem Wort RUCKSACK. Aber am Morgen scheint die Sonne und nach dem Frühstück und genauerem Blick auf das Hostel Eden de Atacama steigt die Stimmung schon wieder etwas. Wir überlegen, was wir nun machen. Polizei ist logischerweise völlig sinnlos. Allerdings sollten wir vielleicht doch was Offizielles haben, um vielleicht für die Versicherung was in der Hand zu haben. So opfern wir den Tag für Behördengänge. Wir fahren mit dem Bus wieder nach Calama. Die abgerissene Minenarbeiterstadt sieht im Hellen und am heutigen Feiertag auch gar nicht mehr so schlimm aus. Wir suchen die Station der Carabiñeros de Chile, der hiesigen Polizei. Mit 17¾ Wörtern Spanischwortschatz eine Anzeige bei der Polizei zu machen, ist auch eine Erfahrung. Der Beamte ist aber recht freundlich und geduldig. So kommen wir nach zwei Stunden mit einem dreiseitigen Pamphlet mit Stempel aus der Wache.

Wir versuchen auch nochmal Kontakt mit unserem Rucksack aufzunehmen, denn das Telefon ist drin und eingeschaltet. Wir werden aber weggedrückt. Wir schreiben SMS auf spanisch, auf englisch, bieten sogar Geld, aber letzten Endes alles ohne Erfolg. Wir hatten gestern im Internetcafé noch einen Zettel mit einem Finderlohn geschrieben. Die Idee war zwar ganz gut, aber eigentlich auch sinnlos. Der ganze Kram im Rucksack ist uns eigentlich völlig egal, aber der Verlust der Dias und die Digibilder tut richtig weh.

Wir beschließen aber, dass wir jetzt nicht das ganze Land nicht mehr leiden können, wegen eines Blödmanns. So fahren wir nach San Pedro zurück und machen uns einen Plan für die nächsten Tage. Wir klappern ein paar Tourenveranstalter ab und buchen für die nächsten zwei Tage drei Touren.

San Pedro, eine Oasenstadt mitten in der Atacama ist auch nicht so schlimm, wie der erste Eindruck von gestern Nacht. Das kleine Dorf ist zwar touristisch ohne Ende, wirkt aber dann doch sehr urtümlich und sehr entspannt.

Am Abend erleben wir noch einen grandiosen Sonnenuntergang. Es gibt noch ein leckeres Abendessen in einem der vielen Restaurants, bevor wir im Hostel bei Lagerfeuer und einer guten Flasche Wein den Sternenhimmel genießen.

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Sonnabend, 22.05.2010

Es geht zeitig los. Wir werden noch vor sechs von einem Kleinbus abgeholt. Es geht zur Salar de Atacama, einem großen Salzsee, mit der Laguna Chaxa südlich von San Pedro. Wir sind neun Leute plus Guide und Fahrer. Wir sind zum Sonnenaufgang im Nationalpark und sehen einige Flamingos. Leider sind ein paar dicke Wolken am Himmel und so ist es recht dunkel. Nach einem Frühstücks-Picknick geht es nun nur noch bergauf. Wir fahren zur Laguna Miscanti auf 4200m üNN. Hier merkt man sofort die dünne Luft, wenn man aus dem Bus steigt. Irgendwie ein komisches Gefühl und alles geht viel langsamer als sonst. Bilderbuchwetter haben wir heute keins, es ist gerade eher trüb. Dafür haben wir eine ganz dünne Schicht aus Schneegriesel. Das kommt in einer der trockensten Regionen der Erde bestimmt auch nicht so oft vor. Die Landschaft ist aber auf jeden Fall sehenswert.

Auf dem Rückweg gibt es noch ein Mittagessen in einem kleinen Restaurant im Dörfchen Socaire. In Toconao gibt es noch einen kurzen Stopp auf dem Marktplatz mit der Kirche mit einem Dach und Türen aus Kaktusholz.

Zurück in San Pedro geht es um drei auch gleich zur zweiten Tour, Valle del Muerte und Valle de la Luna. Hier sind nur wir und ein italienisches Ehepaar. Luigi ist Professor für Geologie und erklärt unserem Guide mehr als er ihm. Die beiden unterhalten sich auf spanisch, italienisch und englisch gleichzeitig. Wir kommen aber ganz gut mit. Die Landschaft in den Tälern ist genial. Wir rennen eine riesige Sanddüne runter. Zum Sonnenuntergang fahren wir dann ins Valle de la Luna. Am Anfang ist der Sonnenuntergang recht unspektakulär. So richtig geht es erst danach los. Ein Farbenspiel vom Feinsten.

Heute kochen wir zur Abwechslung mal selber und quatschen noch mit den Leuten in der Hostelküche.

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Sonntag, 23.05.2010

Heute geht es noch früher los. Wir sind fast die gleiche Gruppe wie gestern. Auf dem Plan stehen die Geysers del Tatio, zwei Fahrtstunden auf Schotterpisten von San Pedro entfernt. Halb fünf stehen wir übernächtigt und frierend vor dem Hostel. Im Bus dösen alle noch etwas vor sich hin. Draußen ist es eh dunkel. Kurz vor sieben kommen wir dann auf 4200m Höhe an. Es sind -7°C und wir frieren trotz der 17 Schichten Klamotten noch mehr. In der Morgendämmerung frühstücken wir erstmal zwischen den Geysiren und Fumarolen. Danach geht es besser. :-) Jetzt ist auch genug Licht da um die Landschaft zu genießen. Nun kommt der eigentliche Spaß, wir gehen baden! Während rundherum alle mit Mütze, Schal und Handschuhen dastehen, aalen wir uns im 35°C warmen Wasser. Herrlich!

Dann fahren wir bei blauem Himmel zurück und machen einen Stopp im winzigen Dorf Machuca. Die gerade mal 40 Einwohner leben offenbar vom Verkauf von Lamafleisch-Schaschliks und Souvenirs an Touristen. An einer Stelle mit meterhohen Kakteen gibt es noch einen Fotohalt, bevor wir zurück nach San Pedro fahren. Den restlichen Nachmittag verbringen wir faulenzend in der Hängematte im Hostel und genießen die Wärme ”hier unten”.

Am Abend landen wir in einer Bar mit Pizza und Bier. Danach sitzen wir noch etwas um das Lagerfeuer herum.

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Montag, 24.05.2010

Heute ist unser letzter Tag in San Pedro und wir wissen zur Abwechslung am Morgen mal noch nicht was wir anstellen werden. Wir tümpeln etwas rum und raffen uns gegen Mittag mal auf. In einem der vielen Läden im Dorf leihen wir uns zwei Fahrräder aus und machen uns nochmal auf den Weg zum Valle del Muerte. Bei der Hitze, es um die 25°C und kein Schatten, kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Es geht zudem noch bergauf. Im Tal angekommen radeln wir nochmal zur großen Sanddüne. Wir futtern mit schönem Blick erstmal noch unsere Empanadas, die wir vorhin noch fix gekauft haben. Lecker. Dann beschließen wir auch nochmal in Richtung Valle de la Luna weiterzufahren. Es ist aber schon ein Unterschied, ob man mit dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs ist. Die Strecke ist dann doch länger, als wir in Erinnerung hatten und die Drahtesel schleifen ganz schön. Als wir am Nationalparkeingang ankommen, werden wir auch wieder weggeschickt, da es sich nicht lohnen würde und wir nie bis zum Sonnenuntergang ein gutes Plätzchen mit Blick erreicht haben würden. Das interpretieren wir jedenfalls aus dem spanischen Wortschwall. So radeln wir langsam zurück Richtung San Pedro und sehen den Sonnenuntergang und das anschließende Farbenspiel von einer Anhöhe.

Am Abend testen wir noch ein Restaurant an. Als Absacker nehmen wir noch einen Pisco in der Bar von gestern. Obwohl wir eigentlich gar nicht groß mit den paar Einheimischen ins Gespräch kommen, werden wir noch für eine Geburtstagsparty morgen Abend eingeladen. Schade, wir müssen leider ablehnen, da wir morgen dann bereits wieder unterwegs sind.

Tagebuch Argentinien & Chile (Eintrag 6 von 8)