Tagebuch Deutschland 2020 (Eintrag 1 von 3)

Paddeln auf der Uecker

Montag, 20.07.2020

Der Kühlschrank ist leer und der Urlaub soll mit einem entspannten Frühstück beginnen. So ist die erste Station auf dem Weg nach Prenzlau schon nach wenigen hundert Metern, nämlich beim Bäcker. Gut gestärkt kann es dann auf die Autobahn gehen. Die Fahrt verläuft reibungslos, zumindest in unserer Richtung. Nach Berlin gibt es auf der Gegenspur einen Hubschraubereinsatz. Eigentlich hatten wir eine Pause geplant, aber da der Kleine eingeschlafen ist, ziehen wir bis Prenzlau durch. Hier angekommen, fängt es erst einmal an zu schütten. Wir beziehen im Rad & Kanucamp die Käpt’n-Suite. Die Freundin und ihre Tochter, mit denen wir die Tour paddeln wollen, sind seit gestern schon hier. Gemeinsam geht es in Richtung Innenstadt, wo wir uns in den Bäcker setzen und im Sportladen noch paar fehlende Ausrüstungs-Kleinigkeiten holen. Die Sehenswürdigkeiten von Prenzlau nehmen wir dabei nebenbei mit. Das Wetter druckst etwas rum, wir setzen uns aber trotzdem an den Unteruckersee in die Strandbar. Mit Consti erkunde ich noch den riesigen Spielplatz nebenan.

Am Abend geht es nochmal in die Innenstadt, wo wir in einer Pizzeria einkehren. Da diese aber eher indisch oder pakistanisch geführt ist, entscheiden wir uns für diesen Teil der Speisekarte.

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Dienstag, 21.07.2020

Heute geht es los. Die Strecke Prenzlau nach Pasewalk wird je nach befragter Quelle zwischen 25 und 35km angegeben (die spätere Vermessung in G**gle Earth ergibt ca. 30km). Das ist aber, wie auch immer, deutlich zu lang aus mehreren Gründen: Wir fangen gerade an und müssen erstmal wieder reinkommen. Der erste Tag soll auch nicht so ein Hammer werden, sodass vor allem die Teenies nicht sofort jegliche Lust verlieren. Und nicht zuletzt ist die heutige Übernachtungsstätte auch was besonderes, an der wir nicht erst am späten Abend ankommen wollen.

Wir lassen uns samt Booten bis nach Nieden fahren, wodurch wir nicht nur etliche Kilometer, sondern auch mindestens zwei Mal Umtragen sparen.

In Nieden sind die drei Boote schnell im Wasser, ein 1er-Kajak für die Tochter meiner Freundin, die Freundin und ihre Tochter mit einem 2er-Kanu und der Rest von und im 3er-Kanu. Nach wenigen Metern haben wir uns ganz gut eingespielt und es geht entspannt vorwärts. Das Wetter spielt bestens mit, es sind irgendwas zwischen 20 und 23°C und ein Sonne-Wolken-Mix. An einer Flussbiegung kommen wir in eine Krautstelle, wo jede Menge treibendes Schilf das Vorankommen schwierig macht. Etwas weiter kommen wir zu einer Krautsperre, also einem Wehr, wo das Schilf hängenbleiben soll und ab und an weggebaggert wird. Hier heißt es, Boote ausräumen und umtragen. Die 200m über ein Feld sind anstrengend. Danach geht es wieder gut weiter. Consti hat es den ganzen Tag am besten, er spielt mit Lego im Boot, löscht als Feuerwehrmann mit Wasserrucksack und Spritze das Ufer oder schläft einfach ne Runde auf den Taschen.

In Pasewalk müssen wir nochmal an einem Wehr umtragen. Einen guten Kilometer später haben wir das Etappenziel auf dem Wasser erreicht. Da wir heute in einem Lokschuppen übernachten, müssen wir die Boote aber noch ca. 700m vom Fluss zum Bahngelände schaffen. Zum Glück bekommen wir Unterstützung vom e.V. im Lokschuppen.

Unsere Unterkunft ist sehr ungewöhnlich: Wir schlafen in einem alten Reichsbahn-Schlafwagen, der zu DDR-Zeiten im Regierungszug des Verkehrsministeriums eingesetzt wurde. Auch der Rest des ganzen Museums ist sehenswert, was wir uns aber für morgen früh aufheben. Wir lassen noch etwas zu essen vom Pizzalieferdienst bringen. Das sättigt, verfehlt aber eine Sterneküche in astronomischen Einheiten... ;-)

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Mittwoch, 22.07.2020

Das Frühstück wird im Lockschuppen gereicht. Es gibt Büffet, allerdings lässt man sich an der Mitropa-Theke die Auswahl coronakonform auf den Teller legen. Den Vormittag verbringen wir damit, den Lockschuppen und das Gelände zu erkunden. Es gibt mehrere Lokomotiven, Wagons, jede Menge Details, eine Drehscheibe und eine Draisinenstrecke zu erkunden. Consti und ich hätten hier bestimmt noch eine Weile zu tun, aber wir haben doch noch ein paar Paddelkilometer vor uns.

Mit Hilfe der Lokschuppenmitarbeiter haben wir unsere drei Boote schnell wieder am Fluss. Wir setzen vor der Kanurutsche ein und so beginnt die Etappe gleich mit einer kurzen Schussfahrt. Heute geht es sehr entspannt voran. Das Wetter macht wieder perfekt mit. Es gibt heute auch keine anstrengenden Umtrageaktionen. Am ersten Wehr gibt es eine Rutsche und am zweiten müssen wir nur aussteigen und können die beladenen Boote treideln. Nur der Wind spielt nicht ganz mit, denn ohne Paddel wird man in Zeitlupe stromaufwärts gepustet.

Dann kommt das Ukranenland in Sicht, ein vormittelalterliches Museumsdorf. Wir wissen, dass es geschlossen ist, landen aber dennoch am Steg an, um mal einen Blick drauf zu werfen. Die Nachbauten der einfachen Hütten sehen doch recht bewohnt aus und so verlassen, wie man meinen könnte ist es auch nicht. Wir werden von einem recht authentisch aussehenden Ukranen überrascht und darauf hingewiesen, dass das Museum nicht geöffnet ist. Ein zweiter geleitet uns dann zu den Booten. Wir quatschen noch eine Weile mit ihm. Der Ukranenland e.V. ist ziemlich betrübt, dass nicht geöffnet werden darf, weil zwecks Corona-Hygienekonzept erst eine teure, wie unnötige Wasserleitung gelegt werden muss.

Bis nach Torgelow ist es nicht mehr weit. Wir steuern den Wasserwanderrastplatz auf einer Insel an. Der Rastplatz ist ähnlich gut ausgestattet wie ein Campingplatz, jedoch um einiges günstiger. Nachdem die Zelte stehen, erkunden wir den kleinen Ort und landen zum Abendessen in einem Asia-Büffet-Restaurant der leider wieder unteren Kategorie. Am Abend verschwinden wir recht schnell in den Schlafsäcken.

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Donnerstag, 23.07.2020

Gefrühstückt wird ganz gediegen beim Bäcker im Ort. Danach werden die Zelte zusammengepackt, aber zunächst auf dem Rastplatz gelagert. Da es heute wieder nur eine recht kurze Paddelstrecke ist, wollen wir warten, bis um 12 das Freilicht-Mittelaltermuseum Castrum Turglowe aufmacht. Auch hier ist momentan kein reguläerer Museumsbetrieb, sondern man kommt auf Spendenbasis rein. Manche Corona-Regeln bzw. Möglichkeiten sind schon seltsam. Wir werden aber von einem freundlichen Mitarbeiter in Mittelalterkluft in Empfang genommen. Als er die Teeanager sieht, hält er inne und meint: „Ich sehe, ihr seid zum Urlaub gezwungen worden!” Alles ist ziemlich witzig gemacht. Die Multimediaausstellung ist auch keine schnöde Ausstellung, sondern eine Challenge, bei der es sogar was zu gewinnen gibt. Als die beiden Mädels dann aber auch noch in ein mittelalterliches Gewandt sollen, gibt es nochmal verkniffene Gesichter. Einzig Consti ist ein stolzer Ritter mit Kettenhemd und etwas zu groß geratenem Schwert. Das Dorf und die ganze Anlage ist gut aufgezogen, nicht nur Museum, sondern lebendig.

Am Nachmittag geht es dann mit den Booten weiter. Es gibt in Torgelow zwar eine Treidelstrecke, aber die ist leider eine komplette Steuergeld-Investruine und absolut unbrauchbar. So müssen wir die Boote mit Gepäck ca. 600m mit dem kleinen Wägelchen transportieren, was recht nervig ist. Wieder im Wasser geht es heute aber wieder entspannt durch die Landschaft. Die Uecker wird nun immer breiter, auch wenn eigentlich keine Nebenflüsse dazukommen. An einer Krautsperre müssen wir aus dem Boot, können die beladenen Boote aber über die Sperre drüberziehen. Consti ist kurz vor dem Hindernis eingeschlafen. Weder das Aussteigen, Umtragen, noch das Einsteigen bekommt er mit.

Nun gibt es bis zur Ostsee bzw. zum Stettiner Haff anscheinend keine Barrieren mehr, denn es kommen uns nun auch größere Motorboote entgegen.

Um zu unserem Ziel Eggesin zu kommen, müssen wir abbiegen und einen Nebenfluss der Uecker hinauffahren. Nach etwa einem Kilometer auf der Randow erreichen wir den Wasserwanderrastplatz am Jachtklub auf einer Halbinsel. Landschaftlich ist es hier absolut herrlich.

Das Abendessen kommt heute aus einem Asia-Laden mit Döner im Angebot. Nun ja... Der restliche Abend ist nicht nicht mehr allzu lang. Wegen Mücken und Müdigkeit verschwinden alle im Zelt.

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Freitag, 24.07.2020

Es gibt Kaffee und Brötchen vom Bäcker, den Rest hatten wir gestern schon im Supermarkt organisiert. Die Zelte sind schnell zusammengepackt und so geht es heute recht zeitig los. Wir werden in Ueckermünde zwecks Rücktransport erwartet und so halten wir uns ran, da wir die Stadt auch noch etwas erkunden möchten.

Wir paddeln die Randow wieder zur Uecker und kommen dann gut voran, auch wenn wir uns ab und an mal in die Bugwellen der entgegenkommenden Motorboote drehen müssen. Das Wetter ist uns heute nicht ganz so wohl gesonnen und es gibt kurze Schauer. Dies ignorieren wir oder versuchen unter großen Bäumen etwas Schutz zu bekommen. Außer einem Schiffsfriedhof in einem Seitenarm des Flusses ist nicht allzu viel Spannendes zu entdecken. Dann kommt auch Ueckermünde schon in Sicht. Kurz vor der Klappbrücke ist der anvisierte Ausstieg. Endstation. Wir ziehen die Boote aus dem Wasser und lassen alles an der Uferpromenade liegen. Zu Fuß geht es eine kleine Runde durch die recht beschauliche Altstadt. In einem Café gibt es Erdbeertorte und Heißgetränke.

Unser leicht chaotisch wirkender Bootsverleiher ist wider Erwarten pünktlich auf die Minute und so müssen wir uns etwas sputen. Die Boote sind schnell auf dem Anhänger und die Sachen im Bus. Wir setzen unser zusätzliches Team in Pasewalk am Bahnhof ab, denn die beiden wollen mit dem Zug weiter. Wir lassen uns zurück nach Prenzlau kutschen. Dort angekommen, geht auch alles recht schnell - alles ins Auto packen, bezahlen und ab zum Abschluss einen Eisbecher in der Eisdiele. Das Wetter mag nicht mehr und so müssen wir uns drinnen einen Platz suchen.

Kurz vor fünf brechen wir dann in Richtung Autobahn auf. Allerdings geraten wir wenige Kilometer nach der Auffahrt in einen Stau. Nichts geht mehr und wir stehen geschlagene zwei Stunden an ein und demselben Fleck. Als es dann weitergeht, ist von der Unfallstelle in der Baustelle absolut nichts mehr zu sehen und man fragt sich, warum das in beiden Richtungen einen kompletten Stillstand gab. Der Rest der Fahrt geht recht reibungslos. Allerdings brauchen wir insgesamt drei Stunden länger als angenommen und sind erst eine halbe Stunde vor Mitternacht wieder zu Hause.

Tagebuch Deutschland 2020 (Eintrag 1 von 3)