2007 - Bad Tölz nach Hall (Eintrag 2 von 2)

In 5 Tagen von Bad Tölz nach Hall

Sonntag, 25.08.2007: Bad Tölz - Tutzingerhütte

Die Nacht ist sehr kurz! Wir stehen schon um 6:00 Uhr wieder auf. Wir packen fast die kompletten Rucksäcke neu, um nicht zuviel doppelt mitzuschleppen. So leise zu sein, dass die anderen von unserem Geräume nicht aufwachen, gelingt uns dabei nicht so ganz.

Irgendwann nach dem Frühstück geht es dann los und wir fahren mit dem Auto nach Bad Tölz, wo wir selbiges am Bahnhof stehen lassen. Das Wetter ist genial, die grobe Richtung auch irgendwann ausgemacht, also geht es halb 10 los, die Isar aufwärts Richtung Arzbach und Lenggries. Wir laufen uns auf dem flachen Stück wortwörtlich ziemlich warm, denn die Sonne brennt jetzt ordentlich. Nach drei Stunden gönnen wir uns in Lenggries erstmal einen kleinen Imbiss und ein Radler. Das zischt! Man könnte den Aufstieg zum Brauneck auch laufen, aber wir wollen es ja nicht gleich übertreiben und so nehmen wir einfach mal die Seilbahn, wo sie schon mal hiersteht. Oben angekommen wird es dann schon etwas unwegsamer. Wir laufen in Richtung Benediktenwand und genießen die geniale Aussicht. Irgendwann verhaspeln wir uns etwas und biegen irgendwo etwas ungünstig ab. So verlieren wir etliche Höhenmeter, die wir dann mühsam wieder hoch müssen. Die Wegmarkierungen sind hier auch etwas albern. An einer Gabelung steht ein Schild mit „leichtere Variante”. Wovon bzw. woher oder wohin, steht nicht dran. Der Weg bis zur Tutzingerhütte ist dann doch weiter als gedacht und so verzichten wir auf den Aufstieg zur Benediktenwand. In der Hütte angekommen, gibt es noch paar Sonnenstrahlen bei einem verdienten Radler.

top
Montag, 26.08.2007: Tutzingerhütte - Vorderriß

Aufstehen 06:30 Uhr. Nach einer guten Stunde haben wir gefrühstückt und alles fertig gepackt. Das Wetter scheint heut wieder ganz gut mitzuspielen. Da wir am Morgen noch recht frisch sind, nehmen wir uns gleich mal die Benediktenwand vor. Der eigentliche Weg zweigt irgendwann mal ab. Dort lassen wir unsere Rucksäcke im Wald liegen und gehen ohne Gepäck hoch auf den Gipfel. Von oben haben wir einen super Blick auf die 500m tiefer gelegene Tutzingerhütte. Danach sammeln wir die Rucksäcke ein und laufen über 1000 Höhenmeter hinab nach Jachenau. Da es gerade Mittagszeit ist und der Magen knurrt, kehren wir hier ein. Die Karte ist wieder bayrisch-deftig und Rahmkässpätzle scheinen das geringste Übel zu sein. Mit so einer Riesenportion davon im Bauch läuft es sich aber danach auch gar nicht gut, zumal es auch noch bergauf geht.

Es geht durch Wälder, Bergwiesen, an einer Alm vorbei zum Rißsattel. Dort machen wir eine schöne Pause und blicken ins Rißtal. Der Abstieg macht bei dem schwülwarmen Wetter auch ganz gut zu schaffen. Je tiefer wir kommen, desto wärmer wird es. Es ist ungefähr halb sechs, als wir im Gasthaus zur Post in Vorderriß ankommen. Abends gibt es wieder ein deftiges Essen und Bier. Die Etappe mit dem Abstecher zur Benediktenwand hatte es heute auch ganz schön in sich.

top
Dienstag, 27.08.2007: Vorderriß - Karwendelhaus

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen. Wir wollen uns die ersten 10 Kilometer an der Straße entlang sparen und bis Hinterriß mit dem Bus fahren. Da der erst 10:15 Uhr fährt, haben wir schön Zeit. Gestern haben wir zwei Mädels aus Berlin getroffen. Suse & Cora machen eine ähnliche Tour und so laufen wir zu viert los. Wir biegen ins Johannistal ab und es geht leicht bergauf Richtung Kleiner Ahornboden. Unterwegs gibt es eine ausgiebige Brotzeit. Der Ahornboden ist eine Ansammlung von uralten Ahornbäumen, die an sich hier recht untypisch sind. Es gibt mehrere Versionen, wie das alles entstanden sein soll. Eine davon ist, dass die Bauern im 30-jährigen Krieg aus Angst vor Räubern die Kühe nicht mehr auf die Weide getrieben haben. Dadurch hatten die Bäume eine Chance. Der Flecken ist echt schick. Das Wetter spielt auch gerade gut mit und so machen wir schon wieder die nächste Pause und genießen die Natur. Wir treffen auf zwei Ehepaare aus Augsburg, die wir die letzten Tage auch schon immer mal auf dem Weg getroffen hatten. Damit vergrößert sich unsere Reisegruppe für die letzte Teiletappe nochmal um Erika, Konrad, Elisabeth & Helmut. Wir unterhalten uns über alles Mögliche und so fällt der steile Weg hoch zum Karwendelhaus fast gar nicht auf. Wir bleiben aber trotzdem alle paar Meter stehen, um die Aussicht zu genießen. Am Pass wird dann das Wetter etwas schlechter. Wolken ziehen auf und es wird kälter. Aber es sind nur noch ein paar Meter, bevor wir uns ein schönes Radler bestellen können.

Das Karwendelhaus ist ziemlich gut gefüllt. Am Abend sitzen wir noch relativ lang mit den anderen und quatschen.

top
Mittwoch, 28.08.2007: Karwendelhaus - Hallerangerhaus

Der Wetterbericht stimmt, draußen sieht es ungemütlich aus, Nebel und Regen. Damit können wir die Königsetappe über den Schlauchkarsattel vergessen. Plan B ist über Scharnitz und das Isartal auf die andere Seite des Bergrückens zu kommen. Wir machen uns auf den recht langen Weg hinunter nach Scharnitz. Wir sind noch nicht lange unterwegs, als wir am Kaiserschmarrn-Schild der Larchet Alm einfach nicht vorbeikommen. Wir kehren erstmal ein. Als wir gesättigt wieder draußen sind, hat wenigstens der Regen aufgehört. Wir sehen einiges an Viehzeug: Alpensalamander, Gämsen und eine Kreuzotter. Nach ca. 19 km kommen wir in Scharnitz an und schnell ist klar, dass wir das nächste Stück zur Kastenalm mit dem Taxi machen. Hier gabeln wir noch Stefan aus Gelsenkirchen auf und kommen nun auf neun Leute in unserer Wandergruppe. Wir lassen uns gemütlich zur Weggabelung bringen, wo der Weg vom Schlauchkarsattel wieder einmündet. Von hier sind es nochmal stattliche 6,5 km mit 400 Höhenmetern bis zum Hallerangerhaus. Es soll Leute geben, die sich die 15 Kilometer nicht mit Taxi chauffieren lassen und alles laufen. Sollen sie mal machen... Uns reicht das hier allemal. ;-) Es geht vorbei an einer Alm mit echtem Alm-Öhi. Der Ausblick ist klasse. Wir schaffen es sogar noch halbwegs trocken oben am Hallerangerhaus anzukommen, bevor sich das Wetter es sich wieder mal anders überlegt.

Jetzt gibt es erstmal ein Bier und a Fleischpflanzerl mit Karfiol. (Na dann ratet mal, was das sein könnte.)

top
Donnerstag, 29.08.2007: Hallerangerhaus - Hall in Tirol

Am Morgen ist es sogar recht schön und wir machen noch einen kleinen Spaziergang zu einer der drei Isarquellen. Irgendwie finden wir die Quelle aber doch nicht, da durch den Regen Wasser aus allen Richtungen und Ecken kommt. Als es dann richtig in Richtung Hall geht, fängt es wieder bindfadenartig an zu gießen. In unsere Regenklamotten eingepackt, trotten wir über riesige Geröllhalden hoch zu Lafatscherjoch. Beim Abstieg zum Issanger hört es wenigstens auf zu regnen. Wir kommen an den verlassenen Herrenhäusern vorbei und gehen in Richtung St. Magdalena. Das Wiener Schnitzel fehlt uns noch in unserer kulinarischen Sammlung und so erledigen wir das hier. :-) Obwohl wir unsere Zeche bezahlt haben, geht es über den „Fluchtsteig” in den Vorort von Hall mit dem lustigen Namen Absam. Mittlerweile schüttet es wieder wie aus Eimern und die asphaltierte Straße zu laufen macht keinen so großen Spaß.

Irgendwann haben wir es dann geschafft. Wir erreichen Hall in Tirol. In der Touri-Info verabschieden wir uns von den anderen, die alle weiterlaufen. Wir hätten damit jetzt auch kein Problem, aber bei Ronny gibt es viel Arbeit auf seinem Weinberg.

Wir steigen in den Zug nach München, aber nicht bevor wir aus den nassen Klamotten raus sind und uns ein Bierchen am Bahnhofskiosk geholt haben. Die Fahrt geht schnell rum und wir können gar nicht glauben, dass die fünf Tage schon wieder rum sein sollen. Am Münchner Hauptbahnhof überlegen wir uns die Tagestickets zu nutzen, gleich noch das Auto aus Tölz zu holen. Wir übernachten noch bei Anke & Basti, bevor wir dann am nächsten Tag wieder aufbrechen, Ronny nach Dresden und ich Richtung Frankfurt.

2007 - Bad Tölz nach Hall (Eintrag 2 von 2)