2011 - Berliner Höhenweg (Eintrag 2 von 3)

5 Tage auf dem Berliner Höhenweg

Freitag, 19.08.2011: Anreise nach Ginzling und 1. Etappe zur Greizer Hütte

Ronny und ich stehen zeitig auf, frühstücken in Ruhe und sind Viertel neun auf dem Weg in Richtung Alpen. Das Wetter ist am Anfang noch bescheiden, wird aber gegen Mittag immer besser. Kurz nach München schälen sich dann auch schon die ersten Bergketten aus dem Dunst. Über den Achenpass geht es hinein nach Österreich, ins Zillertal nach Mayrhofen. Unterwegs erweitern wir unsere Marschgepäck noch um Brot, Käse und Knacker. Um zwei kommen wir dann in Ginzling an. Eine Viertelstunde später sind wir startklar. Es sind 28°C und es ist total schwül und nach dem ersten Stich bergauf ins Floitental hinein, sind wir nach 200m schon völlig aus der Puste und schweißgebadet.

Dann wird der Weg aber besser und jetzt macht es auch langsam Spaß. Die Sicht ist genial und die nächsten Tage sollen wettertechnisch auch so bleiben. Wir kommen ganz gut voran. Es geht vorbei an einigen Almwirtschaften, die wir aber alle links liegenlassen, da wir nicht allzu spät auf der Hütte sein wollen. Und der richtige Anstieg kommt erst noch. Nach drei Stunden hört der Fahrweg auf und es geht auf einem Pfad weiter. Die Greizer Hütte ist auch schon in Sicht. Am Floitenbach schauen wir die Mörchenerscharte hinauf. Da sollen wir morgen hoch? Sieht anstrengend aus!

Nach ziemlich genau vier Stunden und über 1200 Höhenmetern kommen wir an der Greizer Hütte an. Jetzt haben wir uns das Bier aber verdient! Das war heute kein Einlaufen, das war schon ein ordentlicher Drucktest!

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Sonnabend, 20.08.2011: Greizer Hütte - Berliner Hütte

Nach einer etwas unruhigen Nacht im Matratzenlager geht es früh um acht los. Wir laufen zuerst die 400Hm runter zum Floitenbach, um dann auf der gegenüberliegenden Seite 1100Hm hinauf zur Mörchenerscharte zu steigen. Die Sonne brennt schon früh ordentlich, zum Glück mit ein paar Wolken zwischendurch.

Es ist hier ziemlich viel los. Heute ist der Steinbockmarsch, ein Berglauf von Ginzling über die Mörchenerscharte zur Berliner Hütte und weiter zum Breitlahner. Das ist etwas mehr als die Strecke, die wir in zwei Tagen laufen, allerdings ohne Gepäck und damit in ein paar Stunden machbar. Der Schnellste ist mit den 30km, 1871m Aufstieg und 1613m Abstieg nach 2h 58’ fertig... Der Pulk von Leuten ist aber lange vor uns durch und so bekommen wir nicht mehr allzuviel vom Trubel mit.

Wir erreichen schließlich nach drei Stunden schweißtreibenden, aber eigentlich trotzdem recht lockeren Aufstieg die Scharte mit ihren 2870m üNN. Ab jetzt geht’s nur noch bergab. Auf halber Strecke kommen wir am Schwarzensee vorbei, wo wie erstmal die Füße etwas abkühlen können. Nach insgesamt 7½ Stunden mit Pausen kommen wir zur Berliner Hütte. Das Wort „Hütte” ist aber eigentlich nicht der richtige Begriff. Das Ding ist riesig! Sowohl außen, als auch innen ist es ein sehr imposanter Bau. Wir haben Glück und erwischen ein Zwei-Mann-Matratzenlager im Winterquartier. Somit haben wir diese Nacht etwas mehr Ruhe.

Der Tag war anstrengend, aber trotzdem recht entspannt. Und bei dem Wetter kann es eigentlich auch nur Spaß machen. Am Abend gibt es noch Schweinebraten, Bier und einige nette Unterhaltungen mit anderen Wanderern.

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Sonntag, 21.08.2011: Berliner Hütte - Schönbichler Horn - Furtschaglhaus

Der direkte Weg zum Furtschaglhaus ist gesperrt. Bei einem Gewitter vor zwei Wochen ging die Brücke mit den Bach hinunter. Man soll deshalb hinunter bis zur Alpenrose-Alm und dann zum Schönbichler Horn. Wir überlegen, ob wir eine Brücke brauchen, denn von weitem sieht der Bach nicht sehr groß oder unüberwindlich aus. Vor uns laufen drei Leute los und wir warten erstmal ab. Wir beobachten mit dem Fernglas, ob sie über den Bach kommen. Passt! Halb neun sind auch wir auf dem Weg. Der Bach ist zumindest am Morgen noch kein Problem, wir kommen mit 4x Steinespringen drüber. Jetzt geht es nur noch bergauf. Von knapp 2000 Meter auf 3134. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Der Weg ist steil und endlos. Als wir den Gipfel in Sicht haben, machen wir eine kurze Stärkungspause. Danach geht es allerdings erst richtig los. Es geht über einen Grat sehr mühsam bergauf. Zum Glück ist die Strecke mit einem Seil gesichert, denn sonst hätte man ziemlich zu tun. Links, rechts und hinter einem geht es ziemlich steil bergab. Nach einer guten Stunde haben wir dann auch die letzten 200 Höhenmeter endlich geschafft und sind auf dem höchsten Punkt unserer Wanderung angekommen, dem Schönbichler Horn mit 3134m üNN.

Hier oben gibt es erstmal eine ausgedehnte Brotzeit. Obwohl wir auf über 3000m sind, ist es alles andere als kalt. Die Sonne brezelt ordentlich. Der folgende Abstieg ist nur am Anfang sehr steil und wir sind froh in dieser Richtung unterwegs zu sein. Entgegengesetzt wäre es mit Sicherheit noch etwas anstrengender gewesen. Dann wird es flacher und wir machen gut Meter in Richtung Furtschaglhaus hinunter auf 2295m. Nach 7½Stunden kommen wir dann an. Die Etappe heute hatte es gut in sich gehabt. Dementsprechend zischt dann das erste Bier auf der Hütte.

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Montag, 22.08.2011: Furtschaglhaus - Olperer Hütte

Heute können wir es entspannt angehen lassen. Die Etappe ist nicht sehr lang, noch hat sie so viele Höhenmeter, wie die letzten beiden Tage. Wir laufen halb neun vom Furtschaglhaus hinunter ins Tal zum Schlegeisspeicher. Am Anfang steht die Sonne noch tief, sodass wir halbwegs im Schatten der Berge laufen können. Wetter, Aussicht, Landschaft und Laune sind wieder spitze. Am Parkplatz des Schlegeisspeichers streifen wir mal wieder kurz die Zivilisation. Wir machen eine kurze Rast im Zamsereck, wo es ein Bier für Ronny und eine Buttermilch mit Preiselbeeren für mich gibt. Lecker!

Bis zur Olperer Hütte wären es von hier aus nur noch 1½ Stunden Aufstieg. Da es aber gerade mal halb elf ist, nehmen wir einen etwas anderen Weg. Wir laufen vom Zamsergrund in Richtung Wurmlahner und steigen dann im Tal des Unterschrammbach hinauf bis wir den Querweg von der Olperer Hütte zum Pfitcherhoch erreichen. Auf dem Hochplateau, wo wir auch 2008 schon mal Rast gemacht hatten, gibt es auch jetzt erstmal eine ordentliche Brotzeit. Die Füße und der Kopf werden im eiskalten Bach wieder auf eine normale Temperatur gebracht. Da wir Zeit haben, bleiben wir hier über eine Stunde sitzen. Dann gehen wir die restlichen 1½ Stunden bis zur Olperer Hütte an. Die Aussicht hier ist wieder genial.

Am Abend genehmigen wir uns noch das 3-Gänge-Menü der Halbpension und quatschen wieder mit dem Heidelberger Ehepaar, das auch am Tag vorher im Furtschaglhaus schon einige gute Geschichten gebracht hat. Wir haben ganz gut Spaß. Als Absacker probieren wir dann auch noch den selbstgebrannten Meisterwurz. Danach fallen wir auch wieder gut in die Betten.

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Dienstag, 23.08.2011: Olperer Hütte - Ginzling

Unser letzter Tag und Ronnys Geburtstag. Wir versuchen etwas zeitiger loszukommen, denn die Etappe wird lang. Ich hatte zwar geplant, nur bis zum Friesenberghaus zu laufen und von da zum Breitlahner abzusteigen und den Bus nach Ginzling zu nehmen, aber davon hält Ronny überhaupt nix. Mich muss er nicht lang überreden und so wollen wir weiter auf dem Höhenweg bis zur Pitzenalm laufen und dann direkt nach Ginzling absteigen.

Die ersten knapp zwei Stunden zum Friesenberghaus kommen wir gut voran und die Luft am Morgen ist noch schön kühl. Von hier sind es laut Beschilderung noch 5½ Stunden bis zur Pitzenalm. So bleiben wir auf Tempo. Es geht über etwas anstrengende Gesteinsfelder und dann am Steilhang entlang. Wir sind gut unterwegs und so machen wir dann auch gegen Mittag erstmal eine schöne Pause, in der wir unsere ganzen Proviantreste aus dem Rucksack noch niedermachen. Nach weiteren Kilometern mit Hanghuhn-Gefühl kommt dann auch die Pitzenalm in Sicht. Leider ist das Essensangebot dort nicht so üppig wie erhofft, denn wir hatten uns schon auf einen Kaiserschmarrn gefreut. So begnügen wir uns mit einem Bier, bevor es dann an den Abstieg nach Ginzling geht. Die restlichen 800 Höhenmeter sind in einer knappen 1½ Stunde auch erledigt und wir kommen wieder in Ginzling an. Wir machen Quartier im Gasthaus Café Alpenland. Nach einer langen Dusche und mit frischen Klamotten gehen wir dann in die Wirtschaft nebenan, um Ronnys Geburtstag noch mit einem ausgiebigen Essen zu feiern. Zum Nachtisch gibt es dann für jeden auch noch eine ordentliche Portion Kaiserschmarrn.

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