2014 - Stubaier Höhenweg (Eintrag 2 von 3)

6 Tage auf dem Stubaier Höhenweg

Montag, 18.08.2014: Starkenburger Hütte - Franz-Senn-Hütte

Es sind einige Schnarcher im Schlafsaal und so ist die Nacht für einige von uns etwas anstrengend, ich dagegen schlaf wie ein Stein. Am Morgen gibt es einen herrlichen Sonnenaufgang, draußen ist etwas Raureif. Das Frühstück aus 3 Scheiben Brot, Butter, Marmelade und dünnem Kaffee ist nicht spektakulär.

Um acht sind wir dann schon startklar. Es geht bei herrlichem Sonnenschein an einer Bergflanke hoch zum Seejöchl. Es sind viele Leute unterwegs, aber es verläuft sich recht schnell. Nach einem kurzen Blick über den Pass gehen wir weiter am Hang entlang. Dann rutscht Ronny kurz weg und macht schon fast einen filmreifen Stunt um sich abzufangen. Kleiner Schreckmoment aber zum Glück passiert nicht viel außer einer Schramme am Bein und einem zerbrochenen Wanderstock. Auf der Seduck-Alm gibt es erstmal eine Mittagspause und was zu essen. Wir sitzen über eine Stunde und genießen das Essen und das Panorama. Der weitere Weg verläuft auch im Hanghuhn-Stil, mit nur ab und zu Höhenmeterwechseln, zieht sich aber dann bis zur Hütte doch noch ganz schön. Obwohl man die Franz-Senn-Hütte schon ewig sieht, sind wir doch länger unterwegs als gedacht. Erst kurz vor fünf kommen wir an.

Wir haben im Matratzenlager eine 5er-Box für uns. Zum Abendessen lassen wir uns Bratkartoffeln und Kaiserschmarrn schmecken. Dann gibt es noch eine Kartenspielrunde bevor es in den Schlafsack geht. Obwohl sehr viele Leute im Lager sind, ist es relativ ruhig.

top
Dienstag, 19.08.2014: Franz-Senn-Hütte - Neue Regensburger Hütte

Der erste Blick aus dem Fenster zeigt ein knalloranges Sonnenaufgangspanorama. Nach dem wieder recht spärlichen, aber noch teureren Frühstück sind wir kurz nach acht abmarschbereit. Es sollen heut nur vier Stunden sein, allerdings mit einer ordentlichen Sattelquerung und guten Höhenmetern. Aber schon im flachen, sehr einfachen Teil brauchen wir die anderthalbfache Zeit. Als es dann an den Anstieg geht, kommen wir fast nicht mehr vorwärts. Daher verteilen wir ein paar Kilo in den Rucksäcken um. Ronny und ich bekommen etwas mehr Ballast, wodurch die Gruppe insgesamt deutlich schneller wird.

Auf dem Schrimmennieder (2714m) gibt es eine kurze Proviantpause. Da es aber ziemlich zugig ist, laufen wir weiter. Der Abstieg über „gerölliges” Gelände macht Daniels Knie ganz schön zu schaffen, sodass wir auch bergab nicht viel schneller werden. Mittlerweile ist vom schönen Wetter nicht mehr viel übrig, wir laufen komplett in Wolken ohne Sicht. Nach einer Pause ist der Rest des Weges ein Kinderspiel, es geht relativ eben am Hang entlang.

Die Neue Regensburger Hütte ist ziemlich urig. Nach Kaffee und Kuchen gibt es noch eine kleine Erkundungsrunde um die Hütte. Nun ist das Wetter auch wieder schön, jedoch zum kompletten Versenken im Badesee ist das Wasser definitiv zu kalt. Die Käspressknödel und die Schlupfkrapfen (woanders würde man Pelmeni sagen) sind sehr lecker.

Heute liegen wir wirklich wie die Sardinen in unserem Matratzenlager. Wie ein Stirnradgetriebe - dreht sich einer, drehen sich alle anderen mit. ;-)

top
Mittwoch, 20.08.2014: Neue Regensburger Hütte - Dresdnerhütte

Beim ersten Blick nach draußen stellt sich kurz die Frage, ob der Schnaps gestern Abend nicht gut für’s Augenlicht war oder ob das wirklich so eine Suppe ist. Man kann im Nebel keine 20m weit schauen. Nach dem Müslifrühstück brechen wir trotzdem in Richtung Grawagrubennieder und Dresdnerhütte auf, der anspruchvollsten Etappe der Tour. Die meisten anderen Gruppen brechen ab oder gehen ins Tal und von da aus zur Dresdnerhütte.

Daniel ist ganz ohne Rucksack unterwegs, denn die Hütte bietet einen Transport an. Der Rest von uns ist aber zu ehrgeizig, um den Luxus anzunehmen. Am Anfang geht es durch dicken Nebel über Wollgraswiesen. Beim ersten Anstieg reißt es aber schon paar mal auf und wir bekommen ein paar Wolkenlücken. Der Weg ist steil. Da ich noch Daniels Regensachen im Gepäck habe, bin ich heute ziemlich langsam und hintendran. Nach einem, wie es im Wanderbuch heißt, „Blockschuttgelände” queren wir das erste Schneefeld. Danach geht es steil in die mit Sicherungen versehene Wand. Das ist auf jeden Fall nur was für Schwindelfreie. Aber so richtig sieht man nicht, wie weit oben man ist, da der Nebel sehr dicht ist. Am Grawagrubennieder mit 2881m halten wir uns nicht lange auf, denn das Wetter ist zu ungemütlich. Etwas weiter unten machen wir eine Brotzeit bevor es dann weitergeht. Die Wolken geben nur ab und zu etwas von dem herrlichen Panorama frei. Von weitem sieht man den Stubaier Gletscher. Danach zieht es sich wieder zu und die Motivation sinkt. Als es eigentlich nur noch 1½h sein sollten, kommen wir an einem Schild vorbei, wo es heißt, bis zur Hütte wären es noch 2½h. Jetzt sinkt die Laune noch mehr. Zum Glück ist das Schild falsch und nach einem letzten, recht steilen Stück kommen wir an die Hütte. Die ist aber auch erst zu sehen, als wir wirklich schon fast dagegenlaufen.

Die Dresdnerhütte ist eher ein riesiges Hotel als eine Hütte und so steigen wir auch in einem 2- und einem 3-Bettzimmer ab. Der Rest des Tages besteht aus Kaffee und Kuchen, ausgiebig Duschen, lecker Essen und Wein. Am Abend planen wir, wie es denn morgen weitergehen soll. Die geplante Doppeletappe über die Sulzenauhütte zur Nürnberger Hütte ist wahrscheinlich mit 7h bzw. bei unserem Tempo mit 9..10h etwas zuviel, zumal es keinen Rucksacktransfer gibt. 317 Möglichkeiten - wir entscheiden morgen...

top
Donnerstag, 21.08.2014: Dresdnerhütte - Nürnberger Hütte auf Alternativroute

Das Wetter nimmt uns die Entscheidung ab. Für’s Protokoll, es ist der 21. August, wir sind auf läppischen 2300m üNN und draußen SCHNEIT ES!

Wir laufen nach dem diesmal reichhaltigen Frühstück hinunter zur Mutterbergalm. Die Frage ob Laufen oder Seilbahn stellt sich da nicht wirklich, wir laufen! Unterwegs spazieren uns 3 putzige Murmeltiere über den Weg. An der Talstation der Seilbahn suchen wir vergeblich ein Schließfach um noch etwas Gepäck loszuwerden. Da bietet aber der Chef der kleinen Wirtschaft an, dass wir unser Bündel dort bis Sonnabend einlagern könnten. Das ist doch ein Wort. Dann fahren wir mit dem Bus bis zum Einstieg zu Bsuachalm und der Nürnberger Hütte, denn das Straße-entlanglaufen sparen wir uns. Dann gehen wir auch einem Fahrweg weiter bis zur Alm wo wir Mittag machen - bergeweise Kaiserschmarrn. Danach geht es steil bergauf und das bleibt bis zur Hütte auch so. Wir haben mit dem Weg über das Tal mit -500 und +1100 zwar mehr Höhenmeter zu meistern, dafür ist der Weg aber einfacher und das Wetter schöner. Oben entlang wären wir nur in Wolken ohne Sicht gelaufen.

An der Nürnberger Hütte angekommen, gibt es Bier und Kaffee. Den Nachmittag verbringen wir mit den Spielen die wir in der Hütte finden - ein Filmquiz von 1995. :-)

Das Abendessen ist auch heute wieder lecker. Danach spielen wir noch mit den Leuten am Tisch eine Runde Rommé.

top
Freitag, 22.08.2014: Nürnberger Hütte - Bremer Hütte

Am Morgen ist das Wetter wieder super, kalt aber sonnig. Wir starten wieder gegen acht und laufen zuerst das Tal etwas weiter hinein und dann über eine kleine Brücke um dann auf der anderen Talseite am Hang höherzusteigen. Der Weg hat es gut in sich, die schroffen Abhänge sind nichts für Höhenängstliche. Dann biegen wir in das Hochtal zum Grüblferner. Bald gelangen wir zu einem wunderschönen Fleckchen Erde mit dem passenden Namen Paradies. Auf einem kleinen Plateau fließt der kleine Bach in Mäandern durch dicke Sumpfwiesen mit Wollgras.

Danach geht es wieder etwas steiler bergauf. Nicht weit vom Weg steht eine Gruppe von 6 Steinböcken. Anschließend laufen wir durch ein Geröllfeld. Der Weg weiter oben ist nur durch die paar vor uns laufenden Wanderer erkennbar. Nach einer Sicherung kommen wir durch ein paar Schneefelder. Eines davon funktionieren wir kurzerhand zur Rodelbahn um. Mit einer Plastiktüte unterm Hintern ist das ein Gaudi. Kurz danach machen wir oben am Grat bei der Zollhütte erstmal eine Brotzeit. Die Bremer Hütte ist schon in Sicht, auch wenn sich der Abstieg dahin noch ein ganzes Stück zieht. Dann kommen wir nochmal an 3 Steinböcken vorbei, die mit einer unglaublichen Leichtigkeit über die steilen Felsen spazieren. Dann gibt es sogar noch einen kleinen kurzen Show-Kampf mit klackenden Hörnern.

Auch heute war die Etappe nicht sehr lang und so sitzen wir schon am frühen Nachmittag bei Kaffee auf der Terrasse der Bremer Hütte. Wir streunen noch etwas in der Gegend rum und sitzen am See. Am Abend ist die Gaststube gerammelt voll und die Organisation bei der Essensausgabe gefordert. Aber es klappt alles und schmeckt auch noch prima.

top
Sonnabend, 23.08.2014: Bremer Hütte - Gschnitz - Innsbruck - Neustift

Unser letzter Wandertag beginnt wieder mit Nebel. Bevor es aber losgeht, bekommt Ronny erstmal sein Geburtstagsgeschenk, den obligatorischen Müsliriegel im Geschenkpapier. :-)

Dann geht es los. Ein paar Meter nach der Hütte folgen wir nicht mehr dem Stubaier Höhenweg, sondern nehmen den Weg nach Gschnitz im Nachbartal. Ralf ist wie immer vorweg, man sieht ihm im dichten Nebel schon gar nicht mehr. Je tiefer wir kommen desto größer wird auch die Vegetation, bis wir durch einen schönen Wald mit Mengen an Pilzen und Beeren kommen. Allerdings werden die Tropfen im Nebel auch immer größer, bis wir kurz vor Gschnitz durch einen handfesten Regen laufen. In Gschnitz haben wir noch Zeit, kurz in der Gastwirtschaft Feuerstein einzukehren, bevor unser Bus nach Steinach am Brenner fährt. Mein Plan von da aus wieder nach Neustift zu kommen, funktioniert leider nicht und so nehmen wir den umständlichen Weg mit der Bahn über Innsbruck und von da mit der Stubaitalbahn nach Fulpmes.

Vom Bahnhof in Fulpmes geht es dann noch ein paar Meter durch den Ort bis zum Seilbahnparkplatz, wo wir Ralfs Auto einsammeln. Jana und ich steigen bei der Pension in Neustift aus, während die Jungs noch schnell hoch zur Mutterbergalm fahren, um das eingelagerte Gepäck zu holen.

Im Alpenhaus Monte gibt es einen ausgiebigen Badezimmeraufenthalt, bevor wir dann zusammen losziehen, um Pizza zu essen und Ronnys Geburtstag noch etwas zu feiern.

2014 - Stubaier Höhenweg (Eintrag 2 von 3)