Tagebuch (Eintrag 2 von 3)

East Midlands - Nottinghamshire

Dienstag, 09.07.2019

Dass heute mein Geburtstag ist, realisier ich erst als Jana mir gratuliert. Hatte ich völlig verdrängt. ;-)

Wir verlassen heute Manchester und fahren mit dem Zug wieder in Richtung Flughafen. Von hier fliegt Julia zurück nach Hause um mit ihrem Freund in den Urlaub zu starten. Somit sind wir nur noch zu fünft und passen nun in ein handelsübliches Mietauto, welches wir am Flughafen übernehmen. Im ersten Anlauf setzen wir uns offenbar ins falsche Auto, denn der Keyless-Schlüssel (welch Wortkombination) des Ford Focus passt nicht. Beim zweiten war ein Türgummi dermaßen lose, dass ich mit dem Auto in keinen Regenguss hätte kommen wollen. Es wird im dritten Anlauf dann ein ziemlich neuer Peugeot 2008. Mit dem Lenkrad und dem Straßenverkehr auf der falschen Seite komme ich auf Anhieb gut zurecht und so rollen wir ein paar Kilometer weiter.

Unser Ziel ist Lyme Park, ein riesiges Anwesen mit einem mächtigen Schloss. Hier holen wir unseren National Trust Touring Pass und besichtigen natürlich auch alles. Das aber erst nach einem kleinen Happen in der Cafeteria. Zunächst hochfein anmutend, jedoch mit Pappbechern. Mia und Heli möchten lieber im kleinen Café bleiben. Das kommt recht gelegen, denn der schlafende Constantin kann während unserer Runde auch hier im Sessel bei den beiden weiterträumen. Das Schloss macht Eindruck, riesige Räume, eine Bibliothek, imposante (wenn auch nicht unbedingt schöne) Gemälde,... In fast jedem Raum sitzt ein Volunteer, meist Rentner, die einem very British den Weg weisen oder etwas zum jeweiligen Raum erklären können. Der zweite Teil, die Besichtigung des Lyme Parks selbst, fällt dem nun englischen Wetter mit Regen zum Opfer.

So fahren wir weiter zu unseren nächsten Unterkunft in Blidworth im Nottinghamshire. Gegen halb sechs kommen wir an der Byron Lodge an, wo wir schon erwartet werden. Die nagelneue Ferienwohnung ist ein ausgebauter Teil des Stallgebäudes eines Reiterhofs. Wir haben 3 Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer und Bad.

Zum Abendessen ist im urigen Pub „Fox and Hounds” ein Tisch reserviert. Für mich gibt es den Veggie Sheppard’s Pie, Jana nimmt das gegrillte Gemüse, die Kinder geben sich mit Pommes zufrieden. Der Pie ist ganz gut, das ganze Gemüse eher fad.

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Mittwoch, 10.07.2019

Die Matratze hier ist deutlich besser! Wir lassen es heute langsam angehen. Nach etwas Frühstück auf der netten Terrasse fahren wir Richtung Derby und erkunden den Markeaton Park, eine schöne Anlage mit einem riesigen Kinderspielplatz. Constantin hat hier viel zu tun! Helena & Mia spielen eine Runde Minigolf. Kurz darauf turnt Consti auch schon nur mit Windel bekleidet durch das flache aber recht kühle Planschbecken und hat jede Menge Spaß. Nach einem Mittagsimbiss aus Kartoffen-Lauch-Suppe, Panini und Pizza beschließen wir, ein weiteres National Trust-Anwesen fast um die Ecke zu besuchen: die Kedleston Hall. Das zugehörige Gelände ist noch größer als Lyme Park. Hier spielen wir den Preis für den Touring Pass schon gut rein, denn ein Familienticket würde hier mit knapp 40£ zuschlagen. Allerdings gehen die Mädels gleich gar nicht mit in das Schloss, sondern bleiben lieber in den Liegestühlen am Parkplatz in der Sonne sitzen.

Unsere Besichtigung beginnt mit der kleinen Kirche neben dem Schloss und geht anschließend mit der riesigen Kedleston Hall weiter. Alles wirkt etwas aufgeräumter und weniger verkitscht als in Lyme Park. Der riesige Marmorsaal ist einfach gigantisch. Anschließend kommen noch etliche Räume und Zimmer mit allen möglichen Ansammlungen aus der englischen Kolonialzeit und man ahnt, woher der ganze Reichtum eigentlich stammt.

Nach unserer Runde schaffen wir es Heli & Mia wenigstens zum Schlossgarten zu locken, wo wir bei herrlichem Sonnenschein noch Kaffee und Kuchen verdrücken. (ja, ich weiß, England Kaffee, Tee, mir egal... ;-)

Am Abend nutzen wir die passabel ausgestattete Küche unserer Lodge und kochen selber. Gegessen wird wieder auf der Terrasse, da das Wetter bestens mitspielt.

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Donnerstag, 11.07.2019

Mia und Heli haben heute einen Termin auf dem Pferdehof, aber erst um 10:00 Uhr. Das hält Consti nicht davon ab, Punkt 6 „Hallo Mama! Hallo Papa!” zu rufen. Wir ignorieren ihn und er legt sich sogar wieder hin und schläft weiter! :-)

Nach einem entspannten Frühstück begeben sich die jungen Ladies zum Morgenausritt. Die halbe Stunde ist schnell rum und danach brechen wir in Richtung Nottingham auf. Hier haben wir uns eine Cave-Tour durch das Sandsteinhöhlensystem unter der Stadt vorgenommen. Die ersten Höhlen wurden vor 1200 Jahren als Wohnhöhlen gegraben. Später waren es dann Eiskeller, Lagerkeller, Gerbkeller, Bier- und inoffizielle Pubkeller und im zweiten Weltkrieg schließlich Luftschutzräume. Die Tour ist für alle recht spannend, auch wenn ich ab und an etwas übersetzen muss.

Zurück am Tageslicht gibt es am Old Market Square eine Kleinigkeit zu essen und einen kleinen Stadtbummel. Sehr zum Leidwesen von Jana ist das berühmte Nottingham Castle wegen Renovierung geschlossen und das noch bis Ende 2020. So laufen wir lediglich an der Robin Hood-Statue vorbei und nehmen uns England’s Oldest Inn vor, das „Ye olde trip to Jerusalem”.

Am Abend geht es zurück nach Blidworth, wo wir uns was kochen. Beim Abendessen ist noch bestes Wetter. Wenig später gibt es einen kurzen, aber heftigen Gewitterguss, gefolgt von einem schönen Regenbogen.

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Freitag, 12.07.2019

Auch in der Nacht gab es etwas Regen, aber zum Frühstück sind wir wieder an unserem Freisitz. Wir planen den Tag und können uns auf eine kleine Wassermühle in der Nähe von Chesterfield einigen. Die Stainsby Mill ist zwar ganz sehenswert und heute ist sogar Schaubetrieb, aber ob sich die ohne National Trust Pass fälligen 14£ gelohnt hätten? Naja.

Da wir mit der Mühle schneller durch sind als erwartet, nehmen wir die Hardwick Hall, ein weiteres riesiges Schloss, auch gleich noch mit. Im Gegensatz zu den bisher besichtigten Anwesen wirkt dieses deutlich mittelalterlicher. Diesmal zerren wir auch Heli und Mia einfach mit durch das Schloss. Es ist recht viel Andrang und die Anzahl an National Trust-Freiwilligen ist genauso eindrucksvoll, wie das Schloss selbst. Im Hofgarten holen wir uns im obligatorischen N.T.-Café noch ein paar leckere Kleinigkeiten: Möhren-Koriander-Süppchen, Rhabarber-Scone, Rote-Bete-Schokokuchen, ...

Da die Kinder bisher offenbar nur leiden mussten ;-), geht es am Nachmittag zum „Robin Hood Wheelgate Park”, einem kleinen Freizeitpark in der Nähe. Leider schließt dieser, wie so vieles hier, schon 17:00 Uhr und so bleiben uns nur drei Stunden. Viele der Fahrattraktionen sind auch für Constantin geeignet und so kommen alle gut auf ihre Kosten. Wir ärgern uns etwas, die Badesachen nicht mitgenommen zu haben, denn das Wetter passt und hier gibt es einen großen Wasserpark. Aber auch so haben wir gegen fünf zu tun, die Kinder vom Gehen zu überzeugen.

Auf dem Heimweg halten wir noch im Supermarkt um Eier zu kaufen, denn mit dem Mehl aus der Stainsby Mill soll es heute Abend Eierkuchen geben. Am Abend sitze ich noch bis um 10 bei lauschigen Temperaturen auf der Holzterrasse und schreibe Tagebuch.

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Sonnabend, 13.07.2019

Das Wetter spielt auch heute Morgen wieder mit. Wir haben gegessen und unsere Sachen gepackt. Heute geht es weiter zur nächsten Station. Bevor wir aber in Richtung Wales aufbrechen, fahren wir zunächst nach Norden zum Sherwood Forest. Wir parken am Information Centre und dann geht es in den Wald zur Robin Hood Eiche. Der Wald ist eher gewöhnlich, die Legende macht’s. Die Eiche, an der sich der Herr Hood und seine Kollegen angeblich getroffen haben, ist allerdings imposant. Im kleinen Souvenir-Dörfchen holen wir uns einen Kaffee und ein paar Snacks.

Jetzt haben wir einen Termin. Im nahegelegenen Sherwood Forest Activity Center ist eine Stunde Bogenschießen gebucht als Geburtstagsgeschenk von Jana. Der erste Eindruck beim Aussteigen ist nicht so toll, denn eigentlich ist das hier eine Paintball-Farm und überhaupt nicht unser Ding. Das Bogenschießen ist aber zum Glück etwas abseits. Obwohl eigentlich erst ab 16 Jahren, hat man hier kein Problem, wenn auch Mia und Helena mitmachen. Constantin bekommt auch zu tun, er darf jedes Mal mit uns los, die Pfeile wieder einsammeln. Wir stellen uns alle recht gut an und treffen zumindest ab und zu die Holzaufsteller und manchmal sogar die Zielscheibe darauf. Nach einer Stunde reicht es dann aber auch, denn das Sehne-Halten geht ordentlich auf die Fingerkuppen.

Langsam wird es auch Zeit aufzubrechen, denn wir haben noch einige Kilometer bis zu unserem Ziel Llandudno zu schrubben. Unser geplanter Zwischenstopp ist circa anderthalb Stunden entfernt, die Little Moreton Hall nahe Stoke-on-Trent. Hier kommen wir kurz vor vier bei herrlichstem Wetter an. Nach einer kurzen Tee-(& Kaffee-)Pause im Garten schauen wir uns das Herrenhaus an. Der Stopp hier hat sich auf jeden Fall gelohnt, sowohl der Garten, als auch das Haus sind ein Hingucker. Es gibt im ganzen Fachwerk wahrscheinlich nicht einen einzigen rechten Winkel. Kurz nach fünf geht es dann weiter. Die restliche Strecke fahren wir über die Autobahn und kommen ganz gut voran.

Gegen sieben erreichen wir Llandudno, ein eindrucksvolles, viktorianisches Seebad. Unsere Ferienwohnung macht auf den ersten Blick ordentlich was her. Auf den zweiten Blick ist sie allerdings ziemlich unpraktisch. Die Mädels sollen zu zweit auf einer 90cm-Klappcouch schlafen und 5 Leute auf 2 Stühlen um einen kleinen Glastisch ist auch eher unbequem. Ich rufe den Vermieter an und wir bekommen morgen wenigstens mehr Stühle.

Zum Kochen ist es zu spät und so suchen wir uns noch ein kleines Imbiss-Restaurant. Abends drehen wir noch eine Runde über die Promenade.

Tagebuch (Eintrag 2 von 3)