Tagebuch (Eintrag 3 von 3)

Nord-Wales und weiter nach Liverpool

Sonntag, 14.07.2019

Urlaub. Nix weiter vor. Herrlich! Lang bleiben wir aber doch nicht in der Ferienwohnung, denn uns zieht es raus. Die Mädchen bleiben hier, der Rest von uns erkundet den Pier. Llandudno präsentiert sich im besten Sonnenschein.

Die Damen treffen sich zu einer kleinen Runde durch diverse Läden und Consti dreht mit mir ein Runde über die Promenade und zum ziemlich steinigen Strand. Nach einem kleinen Mittagssnack in einem Café fahren wir mit dem Auto in Richtung Snowdonia Nationalpark, genauer nach Betws-y-Coed und noch genauer zum Zip World Forest. Hier gibt es das Treetop Net, ein in den Bäumen gespanntes Seil- und Netzsystem, wo man in bis zum 18m Höhe herumspringen kann. Die großen Kids sind schnell verschwunden, kommen aber schon nach kurzer Zeit wieder - „Macht Spaß, aber aaaanstrengend!!!!” Das Ganze war teuer genug, sodass wir sie schnell wieder hineinjagen. ;-) Constantin ist zu klein und darf leider noch nicht hinein und es ist schwierig ihn bei Laune zu halten. Irgendwann schafft er es doch auszubüchsen und auch in einen der Seiltunnel zu rennen. Ich muss ganz schön hinterherflitzen.

Am späten Nachmittag machen wir noch einen Abstecher in den kleinen Ort Betws-y-Coed (Das w wird übrigens so ähnlich wie ein u gesprochen). Hier gibt es Eis, einen kleinen Bahnhof und eine niedliche Hängebrücke.

Zurück in der Ferienwohnung basteln wir uns schnell noch Reis mit Paprika und indischem Korma zusammen.

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Montag, 15.07.2019

Heute ist mehr Programm! Am Morgen fahren wir eine gute halbe Stunde nach Caernarfon und steigen hier in einen Zug der Welsh Highland Railway. Die Dampflok wird gerade betankt, angekoppelt und dann geht es auch gleich los. Super spannend für Consti. Allerdings wird mir nachgesagt, dass ich auf der gesamten Zugfahrt noch aufgekratzter von den Fenstern auf der einen Seite zur anderen Seite hin und her renne. Insider für alle mit kleinen Kindern: Pontipandy-Express in echt (aber vor allem ohne Notfall)! :-)

Wir fahren nicht die komplette Strecke bis Porthmadog, sondern nur bis in den kleinen Ort Beddgelert in den Highlands. So haben wir etwa 3 Stunden Aufenthalt, die wir zum Mittagessen und zu einer kleinen Spazierrunde nutzen. Die beiden Mädchen wollen nicht mit laufen, sondern chillen lieber am kleinen Bach.

Am Nachmittag fahren wir mit dem gleichen Zug wieder zurück nach Caernarfon. Hier machen wir noch einen Abstecher zur imposanten Burg und in die Innenstadt. Constantin muss unbedingt wieder durch die kleine Springbrunnenanlage mit Fontänen wuseln und hat jede Menge Spaß.

Da am Abend keiner großen Hunger verspürt, machen wir nur etwas frischen Salat.

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Dienstag, 16.07.2019

Am westlichen Ende von Llandudno beginnt die Halbinsel mit einem Hügel namens Great Orme. Wir haben mehrere Möglichkeiten dort hinaufzukommen, recht langweilig zu Fuß, mit dem Auto oder etwas spannender mit einer Standseilbahn oder einer Gondelseilbahn. Wir entscheiden uns schließlich für letzteres. Auf dem Weg in die Höhe von 207m ü.N.N. hat man aus der Seilbahn einen herrlichen Rundumblick auf die irische See und die Bucht von Conwy.

Oben angekommen, laufen wir etwas rum und verbringen Zeit auf dem Spielplatz. Da die Rückfahrt im Gegensatz zur ersten Fahrt spottbillig ist, nehmen wir auch wieder die Gondel, anstatt nochmal heftig für die Standseilbahn zu löhnen.

Ich hab mir vorgenommen, mir hier im Urlaub auf den britischen Inseln wenigstens einmal Fish’n’Chips zu genehmigen und wo passt das besser, als hier am Meer? Die große Geschmacksüberraschung bleibt erwartungsgemäß aus, aber lecker ist es dennoch. Der Rest der Mannschaft findet die Mashed potatos bzw. die Pizza auch ganz ok.

Mit Consti fahren wir zu dritt den kurzen Weg auf die andere Seite der Landzunge, um den Ort Conwy zu erkunden. Während Llandudno mit seinem viktorianischen Flair sehr schick rüberkommt, ist Conwy mit einer eindrucksvollen Burg eher mittelalterlich. Wir besichtigen die massive Hängebrücke und ein altes Handelshaus (natürlich wieder eine National Trust site). Spätestens nach der Tour über die fast komplett erhaltene und zu weiten Teilen begehbare Ringstadtmauer setzen wir Conwy recht weit nach oben auf die Liste der Lieblingsorte in diesem Urlaub.

Nach einem leckeren Eis geht es zurück nach Llandudno. Vom Great Orme hatten wir ein vermeintliches Schwimmbad entdeckt, was sich aber als flacher Pool ausschließlich für Möwen und andere schwimmfähige Vogelarten herausstellt. Allerdings gibt es einen Badepool auf der Promenade östlich von Llandudno. Im Meer baden ist hier nicht so toll bzw. üblich, wegen des beachtlichen Tidenhubes und des eher unbequemen Steinstrandes. Der Pool ist zwar nicht tief, aber dafür sackig kalt. Wir gehen trotzdem rein, wenn auch nur kurz.

Das Abendessen improvisieren wir aus Kartoffeln, Brokkoli, Baked Beans und Reibekäse. Bestimmt keine Sterneküche, aber gar nicht mal unlecker.

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Mittwoch, 17.07.2019

Das Wetter soll heute nicht so toll werden und wir haben lange überlegt, was wir am letzten Tag in Llandudno anstellen. Es wird eine Tour über Caernarfon nach Porthmadog und weiter nach Harlech.

Porthmadog muss man nicht unbedingt gesehen haben und wir sind froh, die Zugfahrt nur bis Beddgelert gemacht zu haben. Was aber spannend ist, der Bahnhof als Verbindungspunkt der Welsh Highland Railway und der Ffestiniog Railway. Beide Schmalspurbahnen stammen aus der Erzminenzeit und enden hier am Hafen. Es ist viel Betrieb denn der Zug aus Caernarfon kommt gerade an und nach einer kurzen Umsteigezeit fährt ein anderer nach Blaenau Ffestiniog. Wir beobachten das Treiben bei Käffchen und Kuchen vom Bahnhofscafé aus.

Weiter geht es nach Harlech mit dem eindrucksvollen Harlech Castle. Leider steht diese Burgruine nicht mit auf der National Trust-List und so entscheiden wir uns gegen den teuren Eintritt und schauen das ganze nur von außen an. Ich möchte auf jeden Fall nochmal in die Highlands und so fahren wir nicht an der Küste zurück, sondern biegen ab nach Ffestiniog. Von da aus geht es weiter in Richtung einer National Trust-Stätte namens Tŷ Mawr Wybrnant. Keine Ahnung, ob man das Geburtshaus des Bischofs gesehen haben muss, der die Bibel ins Walisische übersetzte. Aber es liegt am Weg. Dachten wir. Das Navi sagt 4km nach rechts, die Ausschilderung zeigt nach links. Je weiter wir der Beschilderung folgen, desto mehr korrigiert das Navi die Entfernung nach oben. In einem riesigen Bogen über bessere Waldwege kommen wir irgendwann sogar an. Heute geschlossen - geöffnet nur Donnerstag bis Sonntag für ein paar kurze Stunden. Was soll’s, idyllisch ist es trotzdem. Beim Rückweg fahr ich nun nach Navi. Wir müssen 4 Schafgatter passieren und fahren einen abenteuerlichen Pfad durch hohe Wiesen und steile Gefälle. Nun müssen wir durch, Umkehren geht eigentlich gar nicht.

Unser nächster Stopp ist Llanrwst. Im mit Efeu überwucherten Teehaus neben der schönen Brücke ergattern wir kurz vor Ladenschluss Kaffee und Eis. Die zwei Jüngsten toben sich nochmal auf dem kleinen Spielplatz aus.

Am Abend gibt es sehr zur Freude der Kinder Mac’n’Cheese, Makkaroni mit Käsesoße. Beim Versuch Consti ins Bett zu bringen, gewinne ich beim Einschlafen wiedermal gegen ihn. :-)

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Donnerstag, 18.07.2019

Heute verlassen wir Llandudno und machen uns auf den Weg nach Liverpool. Aber den direkten Weg über die Autobahn nehmen wir natürlich nicht. Es geht über Llanrwst und zu einer weiteren National Trust-Burg namens Chirk Castle. Wir kurven vorbei an einem imposanten Eingangstor und durch eine riesige Parkanlage. Von einer Burg oder einem Schloss ist nichts zu sehen. Erst wenn man durch einen kleinen Wald gelaufen ist, steht man plötzlich vor Chirk Castle. Es gibt einen riesigen Garten mit Tennisplatz. Hier versuchen sich die Young Ladies im Tennisspiel, aber der freche Balljunge mopst immer den Ball. Im Innenhof machen wir im kleinen Café halt. Das Innere der Burg erinnert eher wieder an ein edles Schloss obwohl die Gemäuer uralt sind. Auf jeden Fall ist es wieder eindrucksvoll. Ich glaube, wir haben noch nie so viele alte Bücher gesehen, wie in diesem Urlaub.

Am Nachmittag geht es dann in Richtung Liverpool, etwas mehr als eine Autostunde entfernt. Unser Zimmer ist in einem typischen Reihenhaus in der Anfield Road, einen Katzenwurf vom Anfield Stadium entfernt, der Heimat des Liverpool FC. Manch anderer bekommt hier Schnappatmung vor Aufregung, allerdings lässt mich das alles ziemlich kalt. ;-)

Das Zimmer bzw. Haus ist nach dem Motto Masse-statt-Klasse ausgelegt. In unserem Zimmer stehen vier Betten und ein winziger Kleiderschrank. Mehr passt auch nicht rein. Die Küche hat genau drei Stühle. Wenn alle acht Zimmer belegt wären, könnte es auch mit zwei Toiletten spannend werden...

Wir ziehen daher gleich wieder los, zummal die Sonne so schön scheint. Mit dem Bus geht es in die Innenstadt. In der Nähe der Albert Docks mit Blick auf den Fluss Mersey gibt es das versprochene Eis. Nachdem wir genug kreuz und quer spaziert sind und auch das zweite große Ding Liverpools ignorieren (The Beatles-Story Museum), schlendern wir wieder zum Bus. Auf der Anfield Road holen wir noch Chow-Mein Nudeln und Pommes. Ich dachte, man kommt in Wales sprachlich nicht klar, aber was die nette Dame hinter dem Tresen von mir will, ist mir völlig unverständlich. Mit gefühlt 20kg Essen geht es auf’s Zimmer. In Ermangelung an Tisch und Stühlen, essen wir einfach im Bett, sehr zur Freude der Kinder.

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Freitag, 19.07.2019

Auch beim Frühstück wird wieder im Bett gekrümelt. Das Wetter spielt heute gar nicht mit - nun ja, schließlich sind wir in England!

Das erste Ziel heute ist Speke Hall, etwas außerhalb von Liverpool. Wir kommen mit dem Bus mit einmal Umsteigen hin. Hier gießt es allerdings wieder in Strömen und wir müssen immer noch einen guten Kilometer zu Fuß zurücklegen. Die Mädels motzen rum, warum wir denn nicht mit dem Auto gefahren sind. Ich muss zugeben, dass dies wohl die trockenere und gemütlichere Anreise gewesen wäre.

Obwohl wir nun schon einige historische Bauwerke, Schlösser und Burgen besichtigte haben ist auch dieses Tudor-Haus spannend. Wir stellen ein paar der zahlreichen Volunteers auch die ein oder andere Frage. Das wird gleich genutzt um uns sofort mit Informationen regelrecht zu zuschütten. Die Herrschaften sind wirklich begeistert bei der Sache. Als wir das Anwesen verlassen, hat es zum Glück aufgehört zu regnen, wenn auch nur kurz. Als es mit dem Doppelstockbus ins Zentrum geht, kommt so ein Wolkenbruch, dass wir teilweise die Sitze wechseln müssen. Das Dach des Bus ist „etwas undicht” und es kommt schon fast ein Wasserstrahl durch die Innenverkleidung.

Bei dem Wetter hab sogar ich kein Problem, der Lieblingsbeschäftigung der jügsten Tochter mit nachzugehen, Shoppen in den großen Einkaufspassagen. Recht schnell langt es mir aber dann auch und Consti und ich schauen uns mittlerweile im Trockenen die Straßenkünstler und -Bands und etwas Menschenkino in der Fußgängerzone an.

Gemeinsam drehen wir noch eine Runde durch die Stadt. bevor wir dann wieder in die Anfield Road fahren.

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Sonnabend, 20.07.2019

Wir packen und suchen uns noch ein Café. Viel hat in der Gegend um die Zeit aber noch nicht auf. Wir landen direkt gegenüber vom Anfield Stadium in einer waschechten Fankneipe. Es ist wirklich alles mit Jürgen Klopp dekoriert, Poster, Bilder, die Kaffeetassen, alles. Das typisch englische Frühstück bekommen wir auch in der vegetarischen Variante und es ist ziemlich lecker (und bestimmt auch gesund ;-)

Nun geht es zurück in Richtung Manchester zum Flughafen. Es klappt alles reibungslos bis zur Sicherheitskontrolle. Die ist wirklich eine Katastrophe. Alles geht kreuz und quer und es ist fast ein Wunder, das wir alle unsere Sachen aus den verstreuten Schalen fischen und nichts zu wenig oder auch zu viel haben.

Der Flug ist ereignislos, aber die Landung in SXF recht unsanft. Wir können uns Zeit lassen bis zum Südkreuz und so gibt’s zwischendurch noch ein Eis. Der Zug nach Dresden fährt pünktlich um 19:05 Uhr ab und kurz nach neun sind wir wieder zu Hause.

Tagebuch (Eintrag 3 von 3)