Tagebuch Indien (Eintrag 4 von 10)

Nochmal Delhi

Montag, 07.11.2011

Delhi, Teil 2. Dafür, dass Delhi nur als Durchreisepunkt geplant war, sind wir ganz schön lange da. Montags Morgen etwas Essbares aufzutreiben ist relativ schwierig. Montag ist bei den Hindus wie bei uns der Sonntag und dazu ist heute noch Feiertag. Die meisten Läden machen aber trotzdem auf, wenn auch später. Mein Frühstück erstehe ich dann für 14Rs (20ct) in Old Delhi an einer Straßenecke durch einen Gartenzaun. Das Red Fort ist leider geschlossen. Deshalb kreuzen wir etwas durch die Gassen von Old Delhi und fahren dann mit einer Autoriksha zum Purana Qila, einer Festungsruine. Danach geht es zum Humayun’s Tomb, einem Mausoleum.

Dann wird es langsam Zeit zurückzufahren, wir haben schließlich heut noch Termine... Unser Rikshataxi wird nach 500m immer langsamer - ein Plattfuß hinten links. Der Fahrer holt unter seinem Sitz ein abenteuerliches Schubkarrenrad hervor und fängt an Reifen zu wechseln. Ich soll mal fix mit anfassen und das Gefährt mit ankippen. Da ich genau am Rad steh, übernehme ich einfach den Boxenstopp und schraub das Rad selber dran. German engineering. Unser Fahrer freut sich wie ein Schneekönig und ich bin „Gooodfriend! - Gooodfriend!” :-)

Nachdem wir uns einigermaßen schick gemacht haben, sind wir nun bereit für die Party. Keine Idee, was man da erwarten soll. Mit der Metro geht es zu Anurita und von da mit dem Auto zum angemieteten Festsaal.

Ein riesiger Raum, circa 250 Leute, mindestens 30 Kellner und wir mitten drin. Die Hochzeit geht über drei Tage und heute ist der erste davon. Heute werden jede Menge Zeremonien abgehalten, in der sich die beiden Familien die Hochzeit bestätigen. Daher wirkt auch alles etwas steif und verkrampft. Die nächsten beiden Tage sollen nach Anuritas Aussage deutlich lockerer werden, mit mehr Party. Es ist schon sehr interessant, das ganze Treiben zu beobachten. Es ist alles sehr schräg und wir wirken wohl auch etwas deplatziert. :-) Zwischen den beiden Familien gibt es scheinbar untereinander auch keinerlei Interaktion. Während ein Teil gerade den Zeremonien um Braut bzw. Bräutigam beiwohnt, futtert sich die jeweils andere Familie am Büfett durch. Als dann das Brautpaar gemeinsam auf der Bühne ist, geht wieder eine Materialschlacht mit Fotoequipment und Videokameras los. Während der Showeinlagen der Jugend (ISDS - Indien sucht den Superstar) probieren wir uns durch das ca. 30m lange vegetarische Büfett. Vom Feinsten und sehr lecker! Gegen 12 bekommen wir dann gesagt, unser Wagen warte auf uns und so werden wir noch einmal durch Delhi chauffiert bis zu unserem Guesthouse. Das ist wiederum nun auch der völlige Kontrast. Indien...

Alles in allem ein sehr schräger Abend, aber sehenswert, da man ja auch nicht alle Tage die Gelegenheit hat auf eine indische Hochzeit eingeladen zu werden. Ich weiß übrigens bis heut nicht, wie das Brautpaar eigentlich hieß.

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Dienstag, 08.11.2011

Das Red Fort verliert gegen die Option Ausschlafen. Da unser Zug nach Agra um 14:10 fährt, wäre die Tour nach Old Delhi auch schon wieder recht stressig geworden. So gibt es in Ruhe Frühstück und danach die Suche nach einem Internetcafé. Das neben dem Guesthouse hat gerade keinen Strom.

Der Zug fährt pünktlich ab. Diesmal haben wir einen Sleeper, Liegewagen. Dadurch wird die Fahrt sehr bequem und chillig. Jetzt hat man auch einen schönen Blick auf die vorbeifliegende Landschaft. An den Zwischenstopps gibt es diverse Angebote: Chai, Früchte, Chips, Süßkram...

Irgendwann bleibt der Zug dann eine Stunde mitten im Nirgendwo stehen, warum weiß keiner. Gegen acht Uhr erreichen wir dann Agra Chant. Mit dem Free Pickup Service unseres Hotels geht es dann weiter. Wir sind zu fünft in der Autoriksha, der Fahrer, sein Kumpel, noch eine Holländerin, die auch in dieses Hotel will, wir beide und dann noch 3 große Rucksäcke. Für indische Verhältnisse ist das aber noch alles entspannt.

Preis/Leistung des Sai Palace Hotels ist ganz passabel, zumal man vom Rooftop Restaurant im Dunkeln die Silhouette des Taj Mahal erahnen kann, nicht mal einen halben Kilometer entfernt. Die Holländerin traut dem Essen im Hotel mehr, als unserem Plan. Wir suchen uns lieber im Gassengewirr von Agra etwas weniger Touristisches. Wir landen in einer kleinen Kaschemme, wo schon etliche Inder drinsitzen und essen. Für nicht mal 2 Euro bekommen wir 2 Thikka-Varianten. Als ich dann an einem Süßgebäckstand eindecke und noch ein Bier im nächsten Bottleshop organisiert ist, sieht die Welt sehr gut aus. :-)

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