Tagebuch (Eintrag 4 von 5)

Sal

Sonnabend, 30.07.2022

Am Morgen steht das Taxi zum Flughafen pünktlich vor der Tür. Auch diesmal klappt am Flughafen wieder alles mit dem Impfzertifikaten. Es werden hier unbedingt drei Impfungen gefordert, die ich aber als einziger habe. Der „Genesen”-Status und daher nur 2 Impfungen steht leider nicht in der Corona-Warn-App und so zeig ich mein Impfzertifikat mit 3/3 und bei den anderen immer nur das Vorhandensein eines Zertifikats. Passt aber soweit. Mit leichter Verspätung machen wir den kurzen Hüpfer in Richtung Sal.

Wir sind vor zwei Wochen hier angekommen, was einem aber schon ewig vorkommt. Da den Flughafen keine Sammeltaxen anfahren, geht es mit einem normalen Taxi erst nach Espargos und später von da für einen Bruchteil des Preises mit einem Aluguer nach Santa Maria. Espargos gewinnt nochmal an Punkten. Im Vergleich zu einigen Ecken auf den Inseln ist es hier immer noch authentisch. Es geht aber recht beschaulich zu und ist vergleichsweise aufgeräumt und insgesamt sympathisch. Nach einer Stärkung in einer Bar am Markt geht es mit dem Sammeltaxi in den Süden der Insel. Mittlerweile haben wir auch das System verstanden. Kinder, die auf dem Schoß sitzen, zahlen nichts. Hat das Kind einen eigenen Sitzplatz, ist es ein normaler Fahrgast.

Wir finden das Hotel Patio Antigo Residence recht schnell, die Rezeption ist aber geschlossen. Ein Typ versucht mir mit Hilfe eines Taxifahrer irgendwie klar machen zu wollen, dass wir ganz woanders hin sollen. Nachdem sich eine Weile nichts tut, rufe ich die Hotelnummer an. Auch hier scheint man uns an eine andere Adresse zu lotsen. Da alles recht Lost in translation ist, kommt paar Minuten später jemand vorbei und nimmt uns zum Hotel Porto Antigo Residence mit. Das scheint alles zu passen, auch wenn wir was anderes gebucht haben. Das Apartment hier ist nicht gerade ein Down grade, so soll uns das natürlich auch recht sein. Wir erkunden gleich die Anlage und merken schnell, dass es hier nun ein ganz anderes Cabo verde ist. Der Pool ist bewacht, man bekommt das Türchen geöffnet, nachdem das Armbändchen (in rosa!!) kontrolliert wurde. Spätestens beim Blick auf die durchweg europäischen Gäste im Pool hat man einen Eindruck einer touristischen Parallelwelt.

Ich schaue gleich bei der Tauchbasis vorbei um mich nach dem Stand der Warteliste zu erkundigen. Es sieht recht gut aus, es könnte doch noch was werden mit meinen sechs Tauchgängen, auch wenn ich die nun in zwei anstatt in drei Tagen machen muss, aber Sonntag ist eben auch hier Sonntag!

Die Ortserkundung hilft nicht, Santa Maria einen besseren Eindruck zu verschaffen. Es ist alles recht unauthentisch. Die erste Reihe ist kompletter Urlaubsbeton und erst in der dritten oder vierten Parallelstraße ist man wieder auf den Kapverden.

Am Abend gibt es noch was zu essen in einem italienischen Restaurant, was ganz ok ist.

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Sonntag, 31.07.2022

Vom Hotel ziehen wir los um zu frühstücken. In der dritten Straße werden wir fündig. Eibrötchen, Tosta mixta, Couscous, Saft, Cappuccino, für jeden was dabei.

Wir haben Badesachen mit und so geht es gleich weiter zu den Aluguers nach Espargo. Dort wechseln wir in ein Taxi, den anders kommt man nicht zur Pedra de Lumes, den Salinen ein paar Kilometer östlich. Da der Rückweg nachher auch wieder zu bewältigen ist, bestellen wir den Taxifahrer für später wieder dahin. An einem Kassenhäuschen vorbei geht es durch einen Tunnel in den Krater, wo auch noch heute Salz gewonnen wird. In einer Saline kann man aber auch baden und der Spaß muss natürlich ausprobiert werden. Der Salzgehalt ist wohl sogar noch höher als im Toten Meer und so schwimmt man ohne Anstrengung wie ein Korken auf dem Wasser. Im Gegensatz zu den geführten Touren, die immer mal wieder für 10 Minuten vorbeikommen und auch sofort wieder verschwunden sind, dümpeln wir ewig lange im Wasser herum. Das ist vielleicht gar nicht unbedingt das Gesündeste, da wir uns quasi lebendig pökeln lassen, aber wir machen das ja auch nicht jeden Tag. An der kleinen Bar gibt es wieder die nötige Flüssigkeit zum Auffüllen. Praktischerweise verkauft man hier auch minutenweise Duschgänge um die Salzkruste wieder abzuspülen. Die Zeit bis unser Taxi eintrifft verbringen wir mit der Erkundung des Kraterrands, von wo man einen guten Blick auf die Saline hat. Der Fahrer ist pünktlich und so kommen wir ohne Probleme wieder zurück nach Espargos. Am bereits bekannten Marktplatz kehren wir wieder ein, denn alle haben Hunger und Durst.

Zurück in Santa Maria vergleichen wir den Auftrieb gleich nochmal mit dem im Meer und im Pool. Es gibt noch einen Rundgang durch den Ort. Am Pier tummeln sich zum Sonntag wieder die Einheimischen und die Kids haben einen Riesenspaß im Wasser. Am Abend suchen wir dann ein passables Restaurant und werden auch fündig. Der Fisch ist zwar krätenreich, aber lecker.

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Montag, 01.08.2022

Heute bin ich zeitig wach, der Rest schläft weiter. Im Hotel-Café bestelle ich mir einen Cappuccino und einmal Cachupa. Dann geht es zur Tauchbasis Eco Diver School. Mit mir tauchen ein Pärchen aus der Schweiz und eine deutsch-englische Familie. Wir fahren mit dem rostigen Bus der Basis zum Pier und von hier geht es mit einer RHIB weiter zum ersten Tauchplatz. Die „Kwarcit” war ein russisches Schiff, was 2005 hier gesunken ist. Die Herausforderung für mich: Ich war zuletzt vor drei Jahren tauchen und da auch nur knapp unter der Wasseroberfläche und nun geht es gleich runter auf 29m. Der Tauchgang ist ganz ok, aber ich habe mehr mit mir selber zu tun und kann mich leider gar nicht so sehr auf das Wrack konzentrieren. Es gibt massenhaft Igelfische und auch einige Skorpionsfische. Ich tauche unserem Guide Dudu hinterher ins Wrack hinein und bemerke gar nicht, dass ich etwas in die Deko rassele. Mein Tauchcomputer, dem man nachsagt, dass er schon unter der Dusche Alarm schlägt, brummt mir einen Deep stop und noch einen kurzen Deko stop auf. Aber es ist alles im grünen Bereich, das Tauchen macht noch Spaß!

Die Oberflächenpause verbringen wir auf dem Boot und schippern zum zweiten Tauchplatz, dem Wrack der „Santo Antão”, die seit 1965 hier liegt. Es ist unheimlich viel Leben hier. Es gibt wieder unzählige Igelfische, Trompetenfische, einen Ammenhai, der hier seinen festen Wohnsitz hat und vieles mehr. Es ist ein sehr beeindruckender Tauchgang, auf den ich mich nun auch besser konzentrieren kann. Das Wrack liegt nicht weit von der Basis und wir werden am Strand rausgelassen. Ich laufe zum Hotel und wir ziehen gemeinsam los um ein Mittagessen aufzutreiben. Ich komme an der Cachupa nicht vorbei, auch wenn es heute schon die zweite ist.

Halb zwei geht es dann für mich an der Basis weiter. Diesmal ist die Mannschaft eine komplett andere. Ich tauche zusammen mit Dirk aus Berlin. Wir fahren zum „Lost anchor” und „Farrol”. Es ist ziemliche Strömung und wir kurven eine Weile herum, bis eine genehme Einstiegsstelle gefunden ist. Der Tauchgang geht sehr entspannt an einer Riffkante entlang. Es gibt wieder viel Fisch und als Höhepunkt mehrere Stachelrochen, die sich in den kleinen Höhlen und Felsvorsprüngen verstecken.

Am Nachmittag gibt es noch eine Ortsrunde ohne Kinder, die wollen im Hotel bleiben. Am Abend suchen wir dann abseits der Hauptmeile ein Restaurant. Der Fisch in Zitronensauce ist sehr lecker!

In Santa Maria treffen Welten aufeinander. Wir werden schnell von einem Einheimischen in ein Gespräch verwickelt und dann schon fast belagert. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir ihm kein Geld geben werden. Das möchte er auch gar nicht. Aber er meint, er hat Hunger. Da lässt sich wiederum etwas machen. Am Ende steht ein Burger mehr auf der Rechnung und der junge Kerl zieht sich freundlich dankend zurück.

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Dienstag, 02.08.2022

Tauchtag Nummer 2. Heute hole ich mir frühstückstechnisch etwas Leichteres, nur ein Brötchen und einen Cappuccino. An der Basis sind heute wieder viele neue Gesichter. Ich tauche heute mit Neil aus Spanien und ansonsten ist noch ein niederländisch-ägyptisches Pärchen sowie die von gestern bekannte Deutsch-Engländerin mit ihrem Sohn dabei. Der erste Tauchplatz heißt Pontinha. Ein ist entspannter Strömungstauchgang auf 20m Tiefe. Die Sicht ist heute viel besser und alles läuft perfekt. Zu sehen ist viel Kleingetier, eine Schildkröte im Blauwasser. Für den Rückweg gehen wir ein paar Meter höher und nehmen die Strömung in die andere Richtung. Als wir auf dem Boot sind, entdeckt jemand eine Schule Delfine, die auf uns zukommt. Wir fahren eine ganze Weile mit den unzähligen Tieren mit, die nun überall um uns herum sind. Selbst die Guides machen Fotos und Videos ohne Ende. Alle an Bord sind komplett begeistert. Mohamed, der Ägypter ruft dann noch: Flying Fish! Vor uns fliegt tatsächlich ein Fisch etwa eine Strecke von 30m über das Wasser. Eine Oberflächenpause mit Highlights!

Der zweite Tauchgang an den drei Höhlen am Farol Baixo / Calderinha steht dem ersten in nichts nach. An der Riffkante ist eine leichte Strömung. Dudu entdeckt einen stattlichen Hummer. Die Krönung des Tauchgangs sind zwei große Schildkröten ganz aus der Nähe.

Zum Mittagessen treffen wir uns an der Basis und essen etwas in der benachbarten Strandbar. Dann geht es auch schon zum letzten Tauchgang, diesmal wieder mit Fanny aus Schweden als Guide. Wir tauchen wieder am Lost anchor / Farrol. Heute sehen wir vergleichsweise wenig, aber dennoch ist es ein schöner entspannter Tauchgang.

Am Abend ziehen wir nochmal alle gemeinsam los. Das anvisierte Restaurant hat heute leider geschlossen und so landen wir wieder da, wo wir auch vorgestern schon gutes Essen bekommen hatten. Wir probieren uns einmal durch die Tagesgerichte und sind wieder super.

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Mittwoch, 03.08.2022

Heute ist nichts mehr mit Tauchen, ich hab Deko-Tag vor dem Heimflug heute Nacht. Frühstück gibt es in einem Bäckerladen mit allerlei leckeren Sachen. Das Wetter druckst heute ziemlich rum und es ist wolkig. Es soll dennoch zum Strand gehen. Die Wellen taugen auf jeden Fall für viel Spaß.

Gegen Mittag checken wir aus dem Hotel aus und ziehen in ein Restaurant um. Ich möchte zum Abschied noch einmal Cachupa essen. Leider ist die heute nicht im Angebot. Dafür gibt es aber „Tchep”, was auch ein typisch kapverdisches Essen sein soll. Keine Ahnung, was da kommt. Es ist ein gewürzter brauner Reis und eine Art Gemüse-Ratatouille mit Huhn. Sehr, sehr lecker!

Halb zwei werden wir zum Abschluss-Highlight abgeholt. Sehr zur Freude der Kinder geht es auf der Ladefläche eines Pickups in Richtung Norden zur Zipline de Cabo Verde. Das ist zwar ein absolutes Touri-Ding, aber die Tatsache, dass auch 5-Jährige dabei sein können, macht es interessant. Nachdem wir kurz erklärt bekommen haben, wie der Spaß abläuft, fahren wir mit mehreren Pickups den Berg hoch und laufen das letzte Stück. Oben angekommen gibt es einen Grogue (oder Saft ohne Alkokhol) und eine Art Pelmeni. Dann wird das Geschirr angelegt. Es sind zwei parallele Ziplines, sodass zwei Leute gleichzeitig starten können. Consti und ich fahren zusammen in der letzten Gruppe, aber an einem Schlitten. Es macht wirklich Spaß! In der Talstation wird noch etwas Party gemacht, bevor es dann zurück nach Santa Maria geht. Wir fahren einen kleinen Umweg in den Resort-Teil des Ortes und bekommen dadurch auch das nochmal zu sehen mit einigen namhaften und gut abgeschirmten Hotelbunkeranlagen. Ich glaube, da haben wir im Vergleich zu den Leuten, die hier absteigen, ein komplett anderes Cabo Verde gesehen...

Das Gepäck hatten wir am Hotel gelassen und das holen wir nun, bevor es nun auf die Heimreise geht. Mit dem Aluguer fahren wir nach Espargo, geben die letzten Escudos für ein Abendessen aus und schlagen die Zeit bis zum Aufbruch zum Flughafen in einer kleinen Bar am bekannten Marktplatz tot.

Am Flughafen angekommen geht es nochmal in eine Parallelwelt. Den Domestic-Teil des Flughafens kennen wir ja schon. Der Bereich für die internationalen Flüge ist allerdings wieder eine ganz andere Nummer.

Der Sitzabstand im A320 nach Lissabon ist unterirdisch und ich bin froh, dass der Sitz neben mir frei bleibt. An viel Schlaf ist dennoch nicht zu denken.

Tagebuch (Eintrag 4 von 5)