Rückblick

Albanien ist ein schönes Land, zumindest anhand dem zu urteilen, was wir gesehen haben. Klar gibt es die Ecken, die man als Tourist eher nicht fotografiert. Abgesehen davon hat es landschaftlich sehr viel zu bieten und ist kulturell auch sehr spannend, da sich seit der Antike in diesem Landstrich jede Menge andauernd bewegt hat.

 

Touristisch ist Albanien sehr „unverbraucht”. Das kann man im Positiven sehen: Man ist als Besucher gerne willkommen und hat nicht das Gefühl, an jeder Ecke ausgenommen zu werden, wie das in vielen anderen Ländern akzeptierte Normalität ist. Man ist sehr hilfsbereit, ohne gleich eine Gegenleistung einzufordern. Andererseits sind halt einige touristische Bereiche eher schlecht erschlossen - sei es die Buckelpiste zu Sehenswürdigkeiten, wie dem Blue Eye oder die Tatsache, dass man aus der Pizzeria wieder rausgeht, weil es heute einfach mal keine Pizzen im Angebot gibt. ;-) Aber, hey...

 

Was ich sehr spannend fand, ist die Tatsache wie sehr sich dieses Land in Sozialismuszeiten nach fast allen Seiten abgeschottet hat und an allen Grenzen eigentlich nur Feinde sah. Die zahlreichen Bunker im Land zeugen heute noch davon. Mit Sicherheit ist das auch heute noch der Grund, warum Albanien eigentlich bei wenigen Leuten auf dem Schirm ist, obwohl viele Bekannte und Kollegen recht interessiert waren, als wir vorher von unseren Reiseplänen erzählt haben.

 

Mit Sicherheit hat jeder auch so seine Klischees. Wir empfanden Albanien als sehr angenehmes Reiseland und hatten nicht das Gefühl, an jeder Ampel die Autotüren verriegeln zu müssen. (Ok, die neumodischen Karren machen das sowieso automatisch...)

Dass man an jeder Ecke zu einem Schnaps eingeladen wird, können wir auch nicht bestätigen. Vielleicht waren wir in den falschen Ecken bzw. zu den falschen Tageszeiten unterwegs, aber das rechnen wir einfach Constantin zu.

Zum Thema Polizei können wir nichts berichten. So haben wir zwar viele Streckenkontrollen gesehen, uns hat man aber nie rauswinken wollen. Den Fahrstil der Albaner fanden wir eigentlich nur in und um Tirana als anstrengend. Entweder man gewöhnt sich schnell daran oder im Süden des Landes bzw. in den ländlicheren Gegenden läuft es wirklich entspannter.

Ein paar Klischees scheinen allerdings doch zu stimmen: Albaner lieben Diesel-Benz, egal wie alt oder runtergerockt, die werden dort wahrscheinlich noch ewig fahren.

 

Nicht nur bei Jana und mir kam das Land sehr gut an. Auch Mia (11) fand es wohl prima. Sie meinte am zweiten oder dritten Tag, dass sie nur noch in Albanien Urlaub macht, wenn sie mal Kinder hat. Und auch der Reiseführer liegt unserer Meinung daneben, wenn da drinsteht, dass von einer Reise nach Albanien mit Kleinkindern abzuraten sei. Uns ist aufgefallen, dass Kinder in dem Land einfach dazugehören, anstatt wie in Mittel- und Westeuropa permanent im Mittelpunkt von allem zu stehen.

 

Essenstechnisch kamen wir zwei Vegetarier sehr gut über die Runden. Es gibt jede Menge griechischen Einfluss und mit Meze fahren wir sowieso immer gut. Alternativ kann man sich auf die italienische Küche verlassen. Die typisch albanischen Spezialitäten habe ich, zumindest fleischlos, auch angetestet. Hierbei kam „Qifqi” (Reisbällchen) und Pite mit Brennnessel ganz gut.

 

Die Unterkünfte variierten von sympatisch rustikal bis durchaus nobel. Allerdings waren wir für unsere Verhältnisse nicht in absoluten Luxusabsteigen unterwegs. Die gibt es mit Sicherheit auch. Und wenn der Toilettensitz halt nicht 100% in Passform glänzt, was soll’s. Schließlich waren wir bis auf die zwei Nächte in Sarandë jeden Tag woanders.

 

Mit dem Wetter hatten wir absolut Glück. Morgens und abends war es zwar recht kühl, aber tagsüber kletterte das Thermometer auf Mitte 20°C.

 

Eine sehr bemerkenswerte Eigenheit am Rande, fast nirgendwo im Land hat sich die Erfindung eines Duschvorhangs oder einer Duschtrennwand durchgesetzt. Hat man vergessen, die Klamotten oder das Klopapier in Sicherheit zu bringen, sieht es schlecht aus. ;-)